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Weniger Gewicht = mehr Geld

Wirken sich finanzielle Anreize auf das Gesundheitsverhalten des Einzelnen aus? Antworten auf diese Frage präsentierte die Johannes Kepler Universität mit einer aktuellen Studie im Rahmen des Arbeitskreises „Eigenverantwortung stärken – Gesundheit sichern“ beim Forum Alpbach.


„Die Reparaturmedizin greift oft zu spät – unser Ziel ist es, vor der Krankheit aktiv zu werden.“ Peter McDonald, Obmann-Stv. der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft (SVA)

„Menschen müssen eigenverantwortlich auf ihre Gesundheit achten.“ Dr. Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ)

Das Ergebnis ist eindeutig: Finanzielle Anreize wirken. „Die Studie bestätigt, dass Anreizmodelle eine direkte Wirkung auf den Umgang mit der eigenen Gesundheit haben. Diese wissenschaftliche Erkenntnis muss nun in die politische Diskussion und tatsächliche Umsetzung münden“, so Peter McDonald, Obmann-Stellvertreter der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaf (SVA). „Wir haben das Gesundheitsprogramm der SVA – „Selbständig Gesund“ – wissenschaftlich begleitet. Dieses Programm basiert auf einem Anreizsystem und belohnt das selbstverantwortliche Engagement für die eigene Gesundheit. Dabei konnten wir belegen, dass gezielte Anreize die Teilnahme an der Vorsorgeuntersuchung deutlich erhöhen und einen echten Anstoß für Lebensstil- und Verhaltensänderungen geben“, so Univ.-Prof. Gerald Pruckner von der Johannes Kepler Universität in Linz.

Belohnungssystem

Mit der aktuellen Studie sind die Forscher methodisch noch einen Schritt weiter gegangen. Im Rahmen eines randomisierten Feldexperimentes wurden die Auswirkungen von monetären Anreizen auf das Körpergewicht von übergewichtigen Personen erforscht. „Wir wollten wissen, ob die Teilnehmer gewillt sind, ihr Körpergewicht zu reduzieren, wenn Sie dafür finanziell belohnt werden“, so Pruckner. Immerhin ist das Gewicht neben Bewegung, Alkohol- und Nikotinkonsum und Blutdruck einer von fünf Treibern von Zivilisationskrankheiten, die jeder selbst mitbeeinflussen kann. Und nach wie vor sind etwa 40 % der erwachsenen Österreicher übergewichtig und 12 % davon sogar adipös. „Übergewicht ist ein großer Risikofaktor für viele Zivilisationskrankheiten von Diabetes bis zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, so McDonald. „Zudem wird jeder dritte Herzinfarkt und jeder vierte Schlaganfall indirekt von Übergewicht verursacht.“ Insgesamt sind rund 80 % der Krankheitslast maßgeblich vom eigenen Lebensstil und auch vom Gewicht beeinflussbar. „Hier greift die Reparaturmedizin oft zu spät – unser Ziel ist es, vor der Krankheit aktiv zu werden“, so McDonald. „Die Ergebnisse der aktuellen Studie sind für uns sehr interessant und bestätigen den Weg, den wir in der SVA seit mittlerweile zwei Jahren gehen. Wir kümmern uns um die Gesundheit und helfen dabei, mehr gesunde Lebensjahre zu verbringen. Die Versicherten der SVA nehmen dieses freiwillige Angebot mit großem Zuspruch an und profitieren bei Erreichung individueller Gesundheitsziele auch finanziell.“

Vorbeugen ist besser als heilen

Dass der Schwerpunkt im Gesundheitssystem auf Prävention liegen muss, bekräftigt auch Dr. Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). „Aber die Menschen müssen auch eigenverantwortlich auf ihre Gesundheit achten – das Gesundheitssystem ist keineswegs der einzige Faktor für ein gesünderes und längeres Leben. Dafür muss einerseits die Gesundheitskompetenz der Menschen gefördert werden. Wie die Studie zeigt, können andererseits auch finanzielle Anreize mithelfen, die Menschen zu einem verantwortungsvollerem Umgang mit ihrer Gesundheit zu bewegen“, so Gleitsmann. Er kann sich unterschiedliche Anreizmodelle fürs Gesundbleiben durchaus vorstellen. „Wichtig ist, dass sich die Politik dem Thema widmet und sich nicht scheut, neue innovative Wege einzuschlagen“, meint Gleitsmann und ergänzt: „Die WKÖ unterstützt durch das Portal www.profitnessaustria.at auf dem Weg zu mehr Prävention im Unternehmensalltag. Dort finden interessierte Unternehmer unter anderem einen Marktplatz, wo Angebot und Nachfrage in den Kategorien Bewegung, Ernährung, Entspannung zusammengeführt werden. Übrigens werden auch dort Anreize in Form von Rabatten gesetzt.                                               rh

Studiendesign 

Forschungsfeld der Studie war die Sozialversicherung der Selbständigen. In der Kundenzone in Wien wurden SVA-Versicherte als Probanden für die Teilnahme an der wissenschaftlichen Studie gewonnen. Die rund 600 Probanden hatten einen durchschnittlichen Body Mass Index (BMI) von über 32 – das bedeutet für einen Mann von 1,80 m ein Körpergewicht von 105 kg. Ziel der Teilnehmer war es, innerhalb von fünf Monaten mindestens fünf Prozent ihres Körpergewichts abzunehmen – das wären bei einem Mann von 1,80 m und 105 kg etwa 5 kg.
„Wir haben die Probanden zufällig in drei Gruppen eingeteilt. Probanden in der Kontrollgruppe erhielten keinen monetären Anreiz zur Gewichtsreduktion. Sie erhielten nur einen Informationsfolder zum Abnehmen. Die Probanden in den beiden Treatmentgruppen erhielten hingegen eine Erfolgsprämie in Aussicht gestellt, falls sie beim zweiten Messtermin ihr Zielgewicht erreicht haben sollten. Die Treatmentgruppe 1 erhielt eine Erfolgsprämie in Höhe von 150 Euro, und Treatmentgruppe 2 eine in der Höhe von 300 Euro“, erklärt Prof. Martin Halla, Universität Innsbruck. Alle Teilnehmer erhielten darüber hinaus eine Teilnahmeentschädigung in der Höhe von 60 Euro (20 Euro beim ersten und 40 Euro beim zweiten Messtermin).
„Die Ergebnisse zeigten klar, dass die Erfolgsquoten bei den Treatmentgruppen signifikant höher waren“, erklärt Halla. Innerhalb der Kontrollgruppe haben 17 Prozent ihr Zielgewicht erreicht. Im Falle der Treatmentgruppe 1 waren 33 Prozent der Probanden erfolgreich, und in der Treatmentgruppe 2 sogar 50 Prozent. Das belegt deutlich, dass finanzielle Anreize helfen, um das eigene Körpergewicht zu reduzieren.


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