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Vorsorgen mit Fonds

Klassische Rentenversicherungen mögen in der Pension den laufenden Bedarf abdecken, aber wie soll man größere Anschaffungen oder unerwartete Ausgaben finanzieren? Indem man rechtzeitig dicke Reserven aufbaut. Und dazu eignen sich Fonds – aber nur die richtigen.


Bis vor Kurzem war alles relativ einfach: Wollten Ärzte auf Nummer sicher gehen und Kapitalverluste vermeiden, investierten sie in brave Anleihen von seriösen Staaten. Doch mittlerweile ist das Vertrauen ordentlich angekratzt. Und die wenigen Staaten, die noch nicht ins Gerede gekommen sind, also zum Beispiel Österreich und Deutschland, geizen mit den Zinsen: Die Anleiheerträge liegen nämlich unter der Inflationsrate und Anleihegläubiger mögen mit solchen Bonds gut schlafen, sie verlieren aber kontinuierlich an Kaufkraft.

Nur wenige Fonds zur Vorsorge

Ärzten , die ihre Anlageberater nach soliden Investments für den Aufbau einer Ruhestandsreserve fragen und neben Kapitalerhalt auch noch reale Erträge verlangen, bekommen weiterhin Fonds empfohlen, die all das versprechen. Doch in Wahrheit muss man Produkte, die diese Versprechungen auch erfüllen, mit der Lupe suchen. Ein gutes Beispiel ist der Templeton Global Bonds Fund (ISIN: LU0294219869) aus dem Hause Franklin Templeton, der seinen Mitbewerbern seit Langem immer wieder davonzieht: Acht Prozent per anno konnte man im Schnitt seit der Fondsgründung 1991 mit diesem Fonds verdienen, in den letzten drei Jahren waren es zwölf Prozent im Jahr. Wie das Fondsmanager Michael Hasenstab anstellt, ist kein Betriebsgeheimnis: „Bei Anleihen tut man gut daran, sich nicht an die Benchmark zu halten, denn die größten Gewichte in der Benchmark haben die größten Schuldner, was aber manchmal bedeutet, dass sie auch die schlechteste Kreditqualität aufweisen“, sagt er. Deshalb mache er einen großen Bogen um amerikanische und japanische Staatsanleihen. In Europa bevorzugt er Norwegen und Schweden, seine Favoriten heißen Südkorea, Malaysien, Australien und Polen.

Auch ein anderer erfolgreicher Rentenfonds (9,5 Prozent Jahresertrag über drei Jahre) fällt durch einen innovativen Ansatz auf: der Emerging Markets Local Currency Bonds Fund (ISIN: LU0273498039) von Aviva Investors, einer Tochter des britischen Versicherungsgiganten gleichen Namens. Die Staatsverschuldung der am stärksten im Portfolio vertretenen Länder – Brasilien, Polen, Mexiko, Indien und Südafrika – liegt durch die Bank im grünen Bereich, diese liefern aber erkleckliche Erträge.  Im Dreijahresschnitt lieferte der Fonds bisher 9,5 Prozent per anno ab.

Alternative gemischte Fonds

Für Ärzte stellt sich die Frage, ob man sich bei der Vorsorge auf Schuldtitel beschränken soll, schließlich ist Diversifikation ja eine der Grundregeln vernünftiger Geldanlage. So gesehen machen gemischte Fonds durchaus Sinn – vor allem solche, deren Management frei und rechtzeitig entscheiden kann, welche Anlageklassen man besser abstößt und in welche Instrumente man das Geld optimal umschichtet. Auf gut Deutsch geht es um Produkte für Leute, die weder Zeit noch Lust und vor allem keine Ahnung von Asset Management haben.

Diesen Anspruch erheben zahllose Fondsprodukte, doch in der Praxis scheint es Probleme mit der Umsetzung zu gebe. So bieten alle großen heimischen Fondsschmieden entsprechende Mischfonds für die Vorsorge – meist mit unterschiedlichen Tranchen (etwa „konservativ“, „ausgewogen“ oder „dynamisch“), aber bei keiner überzeugen die Ergebnisse. Die meisten werfen im Drei- und Fünfjahresschnitt kaum mehr Jahresrendite ab, als die Fondsgesellschaften an Managementgebühren abzwacken – manche sogar deutlich weniger.

Eindeutig besser unterwegs war da bisher der Optimal Income Fund (ISIN: GB00B1VMCY93) der britischen Fondsgesellschaft M&G: Diesem defensiven Mischfonds gelang über die letzten drei Jahre eine beachtliche Durchschnittsrendite von zwölf Prozent. Der vor allem in Staats- und Unternehmensanleihen investierte Fonds (die mögliche Aktienquote von 20 Prozent wurde bisher nur zur Hälfte ausgenutzt) reüssierte vor allem durch geschickte Wahl der durchschnittlichen Laufzeiten und der richtigen Sektoren. Erfolgsentscheidend war für Fondsmanager Richard Woolnough aber auch die Freiheit von Benchmark-Zwängen: „Wir haben seit der Fondsgründung im April 2007 Anleihen aus der Finanzbranche gemieden“.

Zu den großen Stars der Mischfondsszene zählt hierzulande Leo Willerts, Manager der Arts Management aus der Wiener C-Quadrat-Gruppe – wenngleich er mit seinem Arts Total Return Vorsorgefonds (ISIN: AT0000789821) zurzeit hinter dem Konkurrenten aus England nachhinkt. Allerdings: Mit einem Ertrag von fünf Prozent seit Fondsgründung und nur zwei negativen Jahresergebnissen in neun Jahren hat sein rechnergesteuertes Total Return-System in höchst unterschiedlichen Marktphasen durchaus bewiesen, dass es auch in Zukunft Potenzial hat.

Nicht immer positive Ergebnisse

Warum man auch mit dem ausgefeiltesten System nicht jedes Jahr positive Ergebnisse zustand bringt, erklärt Fondsmanager Willert so: Man müsse die richtige Balance finden zwischen zu rascher Reaktion auf unbedeutende Schwankungen und verspäteter Reaktion auf wirklich relevante Marktereignisse. „Leider gibt es kein Patentrezept, um beide Fälle im Vorhinein zuverlässig voneinander zu unterscheiden, also müssen wir einen Kompromiss finden, der Fehlsignale in Kauf nimmt.“ Als mittel- bis langfristig ausgerichteter Fonds nehme man eine Verzögerung von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen in Kauf – was in turbulenten Zeiten und aufgrund widersprüchlicher Signale durchaus Ertrag kosten kann.

Dass der RT Active Global Trend-Dachfonds der Ringturm KAG (einer Tochter der Erste Asset Management mit 5%-Beteiligung der Vienna Insurance Group) sowohl im Investmentansatz als auch in der Performance stark an obigen Arts-Vorsorge-Fonds erinnert, ist kein Zufall: Er wird ebenfalls von Leo Willert geführt.

Dass sich flexible Total Return-Fonds in den letzten Jahren schwer taten, erquickliche Renditen zu liefern, lag aber nicht nur daran, dass man in kurzer Abfolge immer wieder rasch von Aktien in Anleihen und wieder zurück switchen musste, sondern auch am niedrigen Zinsniveau: Wenn sich der risikolose Zins in der Nähe von null bewegt, haben Asset Manager Probleme, nennenswert mehr zu verdienen ohne große Verlustrisiken einzugehen.

Oder doch Aktienfonds?

Also stellt sich die Frage, ob man nicht mit Aktienfonds besser fährt – zumindest mit bestimmten. Und tatsächlich scheinen sich spezielle Aktienfonds besonders gut für Vorsorgezwecke zu eignen – auch wenn das breite Publikum momentan nichts von Aktien hören will. In diese Kategorie fallen Fonds, die ausschließlich in Aktien fundamental gesunder und ertragsstarker Unternehmen investieren – allerdings nur in solche, die auch regelmäßig Dividenden zahlen.

Ein solcher Fonds ist der M&G Global Dividend Fund (ISIN: GB00B39R2S49), der zwar erst vor drei Jahren aufgelegt wurde, seither aber jährlich 6,8 Prozent Wertentwicklung hinlegte. Am liebsten investiert Fondsmanager Stuart Rhodes in Aktien von prosperierenden Firmen, die nicht nur schon lange Zeit Dividenden zu zahlen, sondern diese auch regelmäßig erhöhen: Dazu zählen 90 US-Unternehmen, die ihre Ausschüttungen seit mindestens 25 Jahren regelmäßig anheben – darunter Coca-Cola, Walmart, Exxon Mobil, McDonalds oder der Hygiene- und Health-Konzern Johnson & Johnson. Solche Unternehmen gibt es nicht nur in Amerika: Im Portefeuille des Fonds sind auch europäische Titel wie Novartis, Roche, Telefónica oder Prudential willkommen. In Japan finden sich dagegen keine dividendenstarken Titel, sehr wohl aber in Australien – und in Brasilien, wo die Unternehmen per Gesetz verpflichtet sind, mindestens 25 Prozent der Gewinne als Dividenden auszuschütten.

Noch eindrucksvoller als beim jungen M&G Global Dividend Fund fiel die Performance des DWS Top Dividende (ISIN: DE0009848119) aus: Seit April 2003 stieg sein Wert im Durchschnitt um 9,5 Prozent per anno. Angelegt wird in Value-Titel mit nachhaltigen Dividenden, also auch nachhaltigem Cashflow, und solche Aktien werden möglichst lange im Portfolio behalten.
Eine anderes, ziemlich originelles Anlagethema verfolgt Graham French mit seinem M&G Global Basics Fund (ISIN: GB0030932676): Es handelt sich um einen weltweit engagierten langfristig fokussierten Aktienfonds, der auf das Wachstum von Wohlstand und Kaufkraft in den Schwellenländern abzielt und in Unternehmen investiert, die entsprechende Rohstoffe, Produkte und Dienstleistungen anbieten. „Es geht um Dinge wie sauberes Trinkwasser, gesunde Lebensmittel, sichere Babynahrung, um Körperpflege und leistbare Bekleidung“, erläutert French, der vor allem auf solide westliche Unternehmen mit starker Marktposition und starken Marken setzt. Seit Auflegung des Fonds im November 2000 hat der Fonds jährlich im Schnitt 7,9 Prozent verdient – Graham French gilt als einer der besten Fondsmanager der Welt.

Weniger progressive Anlagen

Ärzte, denen zurzeit der Mut abgeht, auf derart progressive Anlagethemen zu setzen, mögen sich mit einem völlig anders gestrickten Fonds wohler fühlen – dem 3-Banken Sachwertefonds (ISIN: AT0000A0ENV1) der Linzer 3-Banken-Generali Investment GmbH. Dabei handelt es sich eigentlich um einen Mischfonds, der allerdings genau so breit gefasst ist wie der Begriff Sachwerte. Geschäftsführer Alois Wögerbauer dazu: „Es geht bei uns um Wohnimmobilien, Gold, Rohstoffe und ausgewählte, substanzstarke Aktien, aber eben keine festverzinslichen Wertpapiere“. Dieser Mix soll als Schutzschild gegen wirklich schwere Wirtschaftskrisen wirken. „Sachwerte statt Papierwerte – das ist die Antwort auf hohe Staatsschulden, Inflationsrisiken und ein kränkelndes Finanzsystem“, sagt er. Wögerbauer ist überzeugt, dass er mit seinem Sachwerte-Fonds besorgten Anlegern einen sicheren Hafen bieten kann – speziell wenn es um die Sicherung einer Zusatzpension geht: „Ein breites Sachwerte-Portfolio mit mehrjährigem Horizont kann nicht falsch sein – und ist sicher besser, als teure Garantien einzukaufen“. Der gerade einmal zwei Jahre alte Fonds wird sich natürlich erst beweisen müssen. Bisher ist es allerdings recht gut gelaufen: Auch wenn man ja bekanntlich von vergangener Performance nicht auf die Zukunft schließen darf, macht die bisherige Durchschnitts-Jahresrendite von stolzen 6,5 Prozent berechtigte Hoffnung.