< vorhergehender Beitrag

Serie: Homo oeconomicus

Bei sehr vielen Menschen beobachten wir im Umgang mit Geld immer wieder übereinstimmende Muster.


Mag. Alfred Rath, MAS, CFP®, EFA®, CERTIFIED FINANCIAL PLANNER®, European Financial Adviser® Senior Financial Consultant

Dipl.-Bw.(FH) Markus Jäger, CFP®, EFA®, CERTIFIED FINANCIAL PLANNER®, European Financial Adviser® Senior Financial Consultant

Vor einigen Jahren hat auch die Wissenschaft erkannt, dass der „homo oeconomicus“ – also der ausschließlich rational handelnde Mensch – als Grundannahme unhaltbar ist und daraufhin begonnen, das Panoptikum menschlicher Fehlleistungen unter dem Begriff „Behavioral Finance“ zu beschreiben. Plakativ könnten beispielsweise „die sieben Todsünden in Finanzangelegenheiten“ festgestellt werden, wie wir das neulich bei einer renommierten Fondsgesellschaft gesehen haben. Theologisch gesehen ist das natürlich ein Unsinn, denn es handelt sich maximal um Hauptlaster und selbst die relativieren sich aus Wissens- und/oder Willensmangel.
Lassen Sie uns heute über die Furcht sprechen. Wir erleben immer wieder, dass selbst gebildete Menschen bereit sind, den sicheren Verlust von Kapital zu akzeptieren, wenn nur die Gewissheit darüber endgültig ist. Anders ist nämlich nicht zu erklären, dass ein überwiegender Teil des Geldes auf Spareinlagen mit quasi nicht existenter Verzinsung liegt. Hier ist jedem bewusst, dass nach Abzug von Inflation und Steuern der Realverlust sicher ist.
Um die diffuse Furcht vor Verlusten in den Griff zu bekommen, sollten wir vielleicht anfangen, unser Konzept von „Sicherheit“ in Finanzangelegenheiten zu hinterfragen. Immer wieder erleben wir, dass Menschen vor allem auf „hochsicheren Anlageformen“ bestehen. Zur Sicherheit müssen wir aber fragen, wo wir diese sonst noch zu erwarten haben: in der Partnerschaft? Im Job? Bei der Gesundheit? Niemand würde von seinem Arzt ein Mittel fordern, das mit hundertprozentiger Sicherheit Gesundheit bis ins hohe Alter garantiert. In solchen Lebensbereichen haben wir uns daran gewöhnt, nicht jeden Ausgang mit wissenschaftlicher Exaktheit planen zu können; stattdessen wissen wir, dass wir unter Einhaltung gewisser Maßnahmen mit einiger Wahrscheinlichkeit ziemlich gesund bleiben können. Mit dem Wissen, dass auch Finanzen immer eine gewisse Unsicherheit anhaftet, kann der Furcht vor dem ungewissen Ausgang begegnet werden. Wenn wir beispielsweise nur die einfache Grundregel der Risikostreuung befolgen, wird aus der Furcht des Anlegers vor dem Totalausfall die berechenbare Furcht vor dem Schwankungsrisiko. Nützen Sie die Vorteile von gebildeten und erfahrenen Beratern, welche angemessene Lösungen für unangenehme Tatsachen bieten.