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Schrittmachertherapie bei Bewegungsstörungen

Beim Morbus Parkinson ist die tiefe Hirnstimulation als therapeutische Option schon lange erprobt. Schrittmacher werden kleiner und leistungsfähiger.


Dr. Petra Schwingenschuh, Klinische Abteilung für Neuroradiologie, Med Uni Graz

Jeder Mensch zittert manchmal. Das kann völlig harmlos, aber auch Symptom einer schweren Krankheit wie Morbus Parkinson sein. „Die Häufigkeit von Tremor in der Bevölkerung nimmt mit steigendem Alter zu und liegt bei über 50-Jährigen bei 15 Prozent. Der verstärkte physiologische Tremor – ein sichtbares, prinzipiell reversibles Zittern ohne neurologische Krankheit – ist am häufigsten, gefolgt von essenziellem Tremor, der keine bekannte Ursache hat und bereits im Jugendalter beginnen kann, und Parkinson-Tremor“, erklärt Dr. Petra Schwingenschuh von der Klinischen Abteilung für Neuroradiologie an der Med Uni Graz.

Schrittmacher werden kleiner

Beim Morbus Parkinson ist die tiefe Hirnstimulation als therapeutische Option schon lange erprobt. Seither hat sich die Technik deutlich weiterentwickelt. Elektroden werden während einer Wachoperation nach präziser Planung mithilfe moderner bildgebender Diagnostik implantiert und unter schwachen Strom gesetzt. Die Funktion wird bereits im Laufe der Operation getestet. Ist das Ergebnis zufriedenstellend, erfolgt die dauerhafte Verdrahtung und unter das Schlüsselbein wird ein Schrittmacher eingesetzt, der von außen eingestellt und programmiert werden kann. „So kann die für Bewegungsstörungen typische falsche Aktivität bestimmter Hirnzentren reguliert werden“, beschreibt Schwingenschuh. Mittlerweile werden die implantierten Schrittmacher immer kleiner und leistungsfähiger.

Bessere Lebensqualität

Bislang wurde diese Therapie bei Parkinson-Patienten nur dann angewendet, wenn sie an einem starken, nicht auf Medikamente ansprechenden Zittern litten oder aber bereits fortgeschrittene Stadien mit Wirkschwankungen unter der medikamentösen Therapie oder Bewegungsstörungen hatten. „Das war meistens nach zehn bis 15 Jahren Krankheitsdauer der Fall“, so Schwingenschuh. Eine neue internationale Multicenterstudie unter der Leitung von Prof. Günther Deuschl aus Kiel weist jedoch eine Verbesserung von Lebensqualität und motorischen Funktionen bei Parkinsonpatienten durch den früheren Einsatz der Behandlungsmethode nach.
Darüber hinaus hat sich die Methode mittlerweile auch beim essenziellen Tremor und der Dystonie etabliert. Dystonien sind neurologische Bewegungsstörungen, deren Charakteristikum in anhaltenden, willentlich nicht beeinflussbaren Muskelkontraktionen besteht. Gegenwärtig werden Studien zum Einsatz bei anderen Bewegungsstörungen wie den Tic-Erkrankungen und auch die Stimulation neuer Zielareale im Gehirn untersucht. „Wir haben jetzt viel Erfahrung mit der tiefen Hirnstimulation und wissen, dass die Implantation gut vertragen wird und die Wirkung über viele Jahre anhält“, berichtet die Medizinerin und ergänzt: „Die Patienten gewinnen durch den Einsatz massiv an Lebensqualität.“ www.medunigraz.at