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Salzburger Festspiele

18. Juli bis 30. August 2015


foto: rosenkavalier / Monika Rittershaus

Herrschen und Dienen, Macht und Ohnmacht. Unterdrückung und Aufbegehren: Es sind vor allem diese Antagonismen, welche die Geschichte der menschlichen Zivilisation bestimmt haben. Von herausragender Bedeutung allerdings war und ist die Kunst: Leidenschaftlich fordert sie immer wieder auf, die Welt zu gestalten. Die Salzburger Festspiele 2015 widmen sich nun intensiv diesen Themenkomplexen und präsentieren wunderbare, aufregende und sehr unterschiedliche Produktionen, die vor allem eines eint: das Verlangen nach Empathie und Humanität.

188 Veranstaltungen an 44 Tagen in 12 Spielstätten

Oper: Mit besonderer Spannung darf man den Neuinszenierungen des Fidelio (Regie: Claus Guth, Dirigent: Franz Welser-Möst, mit Adrianne Pieczonka und Jonas Kaufman) und Le nozze di Figaro entgegenblicken. Da Ponte und Mozart entwickelten aus Beaumarchais’ revolutionärem Theaterstück eine musikalische Komödie, die mit der utopischen Versöhnung zwischen Männern und Frauen, zwischen Herren und Dienern endet. Regie führt Sven-Eric Bechtolf, Dan Ettinger dirigiert die Wiener Philharmoniker, es singen u. a. Martina Janková, Adam Plachetka, Anett Fritsch, Luca
Pisaroni und Margarita Gritskova. Ein gänzlich anderes Zusammentreffen steht im Zentrum von Rihms Musiktheater Die Eroberung von Mexico nach Antonin Artaud. Es befasst sich mit der Begegnung zwischen Cortez, dem spanischen Eroberer (Bo Skovhus), und Montezuma, dem unglücklichen König der Azteken (Angela Denoke). Die beiden, so erklärt Rihm, seien ebenso voneinander abgestoßen wie vom Fremdartigen des jeweils anderen hingerissen. Regie führt Peter Konwitschny, Ingo Metzmacher dirigiert das RSO Wien. Aus dem Vorjahr werden Der Rosenkavalier mit Krassimira Stoyanova, Günther Groissböck sowie Sophie Koch, eine von Publikum und Kritik als Höhepunkt des gesamten Strauss-Jahres gefeierte Inszenierung von Harry Kupfer und dirigiert von Franz Welser-Möst, und Il trovatore, mit Anna Netrebko, Francesco Meli und Artur Ruciński wiederaufgenommen, sowie Glucks Iphigénie en Tauride von den Salzburger Pfingstfestspielen 2015, mit Cecilia Bartoli, die überdies erneut in der Norma (International Opera Award für die beste Neuproduktion 2013!) auf der Bühne zu erleben ist. Abgerundet wird das Opernprogramm durch konzertante Aufführungen von Werther, Dido and Aeneas und Ernani.

Schauspiel: In der Felsenreitschule erlebt mit Mackie Messer – Eine Salzburger
Dreigroschenoper eine musikalische Neubearbeitung der Brecht/Weill’schen
Dreigroschenoper ihre aufsehenerregende Premiere. Hier werden die Verhältnisse auf den Kopf gestellt: Die ruchlosesten Kapitalisten sind bei Brecht die Bettler selbst, der Sozialdarwinismus wird ausgerechnet von Bettlerkönig Peachum gepredigt. Sven-Eric Bechtolf, Schauspielchef und Mitglied des Direktoriums der Salzburger Festspiele, verrät Details zu Kurt Weill und der Salzburger Produktion: „Indem wir die unsterblichen Melodien dieses großartigen Komponisten neu adaptieren, wollen wir versuchen, die Herkunft seiner Musiksprache, die sich den Tanzbands der Zwanzigerjahre verdankt, in die Klangwelt der Zehnerjahre unseres Jahrhunderts zu transportieren.“ Die Bearbeitung und musikalische Leitung übernimmt der vielfach preis-gekrönte Martin Lowe, die Inszenierung haben Julian Crouch und Sven-Eric Bechtolf inne. Weiters im Schauspielprogramm zu finden: Shakespeares Komödie der Irrungen (Regie: Henry Mason), Goethes Clavigo (Regie: Stephan Kimmig) und natürlich der Jedermann.

Konzert: Musik aus der Taufe zu heben, und damit auch ein Stück weit mit zu prägen, ist Ehre und Verantwortung zugleich. Die Wiener Philharmoniker machen in Salzburg ihre eigene Rolle in der Musikgeschichte auf konkrete Weise lebendig: In diesem und auch im folgenden Festspielsommer gibt das Meisterorchester eine Auswahl jener großen Werke, die es einst selbst uraufgeführt hat oder die zumindest eng mit seiner Vergangenheit verbunden sind. Abschließend soll zudem noch auf die „Ouverture spirituelle“, wo man sich mit den vielfältigen musikalischen Ausprägungen des Hinduismus befasst, verwiesen werden; und auch auf einen besonderen Schwerpunkt, der Pierre Boulez zum 90. Geburtstag gewidmet ist: Im Rahmen von „Salzburg contemporary“ werden u. a. einige seiner Weggefährten, wie Daniel Barenboim, Pierre-Laurent Aimard und Sylvain Cambreling, seine Werke zur Aufführung bringen.

Wir hoffen, dass wir Sie auf den kommenden Sommer neugierig gemacht haben!