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Onlinetraining für mehr Sozialkompetenz: Nachgefragt bei …

… Mag. Dr. Mario Lehenbauer-Baum, Klinischer Psychologe und seit 2014 Leiter des Bereichs „Diversity“ des Berufsverbands Österreichischer Psychologinnen und Psychologen, Wien


www.selbstsicherheit.at

Sie wollen Soziale Medien im Bereich der psychischen Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen einsetzen – was genau kann man sich darunter vorstellen?
Als Beratungs- und Behandlungsmedium sind sogenannte Social Networking Sites nicht geeignet, diese können allerdings durchaus als Informationsmedium sinnvoll sein, um beispielsweise Informationen zu Mobbing oder Anlaufstellen zu teilen. In meiner Arbeit geht es unter anderem darum, wie neue Medien sinnvoll in die psychologische Beratung und Behandlung integriert werden können und welche Auswirkungen eine Internetnutzung auf Menschen hat. Beispielsweise wurde gemeinsam mit Dr. Birgit Stetina ein Onlinetraining entwickelt, mit dem Teilnehmer Informationen über soziale Kompetenzen sowie wissenschaftlich fundierte Strategien gegen Stress und (soziale) Ängste kennenlernen. Weiters untersuche ich derzeit die Grenzen zwischen einem „gesunden“ und einem problematischen Gebrauch des Internets, also Onlinespiele bzw. ab wann Sucht beginnt, um daraus Richtlinien für eine evidenzbasierte Behandlung ableiten zu können. An der Sigmund Freud Universität in Wien wurde ein entsprechender Forschungsschwerpunkt etabliert, der sich speziell mit neuen Medien beschäftigt.

Gibt es dazu schon konkrete Anwendungen?
Im Rahmen eines von Sparkling Science geförderten Projekts wurde ein Selbstsicherheitstraining entwickelt, das ausschließlich online stattfindet. Im Rahmen einer Studie stellte sich heraus, dass es kaum Unterschiede zwischen einer offline- und einer onlinebasierten Version gibt. Weitere Informationen finden Sie unter www.selbstsicherheit.at/selbstsicherheitstraining. Das Selbstsicherheitstraining steht interessierten Personen für einen Unkostenbeitrag zur Verfügung, und funktioniert ähnlich einem Seminar, das online absolviert wird.

Wie sieht es mit der wissenschaftlichen Evidenz dazu aus?
Zahlreiche Studien bestätigen mittlerweile, dass onlinebasierte Interventionen effektiv sind und es kaum Unterschiede gibt. Speziell bei einer Beratung oder Behandlung, die mithilfe einer Webcam und eines Mikrofons passiert, gibt es kaum Unterschiede, die Vorteile überwiegen – so spart man sich Anreisekosten und -zeit, man erreicht Personen, die sonst keinen Zugang zu einer psychologischen Behandlung haben, etc. In Österreich ist, im Gegensatz zu anderen Ländern, eine psychologische Behandlung oder Psychotherapie über Internet derzeit gesetzlich nicht gedeckt, eine Beratung unter bestimmten Voraussetzungen jedoch legitim.

Sie waren am Aufbau des Virtual Reality Laboratory maßgeblich beteiligt. Was passiert dort und wie kommen Klienten dorthin, per Überweisung?
Die Planung am Virtual Reality Laboratory wurde bereits 2009 gemeinsam mit Dr. Birgit Stetina aufgenommen, mit 2010 wurde diese an der Universität Wien an der Fakultät für Psychologie in Kooperation mit der Fakultät für Informatik unter Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Helmut Hlavacs eingerichtet. Zahlreiche virtuelle Realitäten, unter anderem ein virtueller Hörsaal für Personen, die Angst vor dem Sprechen vor Publikum haben, wurden entwickelt. Wichtig war vor allem die realistische Gestaltung dieser Szenarien. So war es beispielsweise bei der Entwicklung des Hörsaals wichtig, dass angstauslösende Trigger-Reize – wie Personen, die den Sprecher anstarren und gegebenenfalls Feedback geben, und realistische Hintergrundgeräusche wie ein Murmeln des Publikums – integriert werden. Diese virtuellen Szenarien wurden dann mithilfe von Head Mounted Displays und Kopfhörern vorgegeben, um die Immersion, das Eintauchen in virtuelle Realitäten, so realistisch wie möglich zu gestalten. In Studien ergab sich, dass eine Konfrontation mit virtuellen Szenarien ähnliche psychophysiologische Empfindungen wie reale Szenarien hervorrufen kann, von Teilnehmern also als real empfunden wurde. Seit 2011 fanden weitere Studien statt, aber es gibt derzeit leider noch keine Möglichkeit einer Behandlung für Klienten.