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Mit mehr Interdisziplinarität gegen Osteoporose

Univ.-Prof. Dr. Elisabeth Preisinger, Vorstand Institut für Physikalische Medizin und Rehabilitation im Krankenhaus Hietzing, im Interview.


Für den Fachbereich Physikalische Medizin und Rehabilitation habe ich mich entschieden, … da mich Körperbewegungen, die körperliche Leistungsfähigkeit, seit meiner Kindheit faszinieren. Ein weiterer Grund war, dass nach Abschluss meines Medizinstudiums und nach der Turnusausbildung zum praktischen Arzt das medizinische Fach „Physikalische Medizin“ noch immer eine Unbekannte für mich war und meine Neugier schürte. Leider ist auch heute noch das Aufgabengebiet der Physikalischen Medizin und allgemeinen Rehabilitation oder der Physikalischen und Rehabilitativen Medizin, die Fachbezeichnung in vielen europäischen Ländern, in der Bevölkerung und auch Kollegen nicht im vollen Umfang bekannt.

Ein aktuelles Problem der Physikalischen Medizin und Rehabilitation ist, … dass die Bedeutung dieses jungen medizinischen Faches, das sich in den letzten Jahren inhaltlich sehr gewandelt und an die medizinischen Fortschritte angepasst hat, in der Öffentlichkeit noch nicht im vollen Umfang bekannt ist. Dies beinhaltet unter anderem die Abgrenzung zu anderen medizinischen Fächern und das Wissen, dass nur eine konzertante Zusammenarbeit mit den Kollegen anderer Fächer und mehreren nicht-ärztlichen medizinischen Berufsgruppen nach neuesten Erkenntnissen erfolgreich ist.

Für die Ausbildung der Physikalischen Medizin und Rehabilitation … wünsche ich mir, dass das Fach nicht allein im Medizinstudium theoretisch gelehrt, sondern auch in die praktische Ausbildung des Allgemeinmediziners integriert wird. Für die Ausbildung zum Facharzt für Physikalische Medizin und allgemeine Rehabilitation (PM&R) nach neuer Ausbildungsordnung ist zukünftig eine erhöhte Rotation durch physikalisch rehabilitative Einrichtungen erforderlich. Der heutige Facharzt für PM&R muss Grundkenntnisse und Praxis in der Krankheitsbehandlung und eine umfangreiche Erfahrung und Praxis in Diagnostik, Behandlung, Evaluierung von funktionellen Defiziten und in der Rehabilitation von Patienten aufweisen.

Für die Rheumatologie wünsche ich mir … den Ausbau der ambulanten Rehabilitation. In Österreich mangelt es an Möglichkeiten für eine kontinuierliche Rehabilitation. Patienten mit Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises benötigen in Abhängigkeit des akuten Geschehens bzw. im postoperativen Verlauf eine durchgehende Behandlung mit einem progressiven Aufbau, kontinuierlich vom Akutkrankenbett zur stationären Rehabilitation und zur ambulanten Behandlung bis zur langzeitigen Nachbetreuung. Derzeit stehen im Wesentlichen rehabilitative Therapiemöglichkeiten im Akutspital und stationäre Rehabilitationseinrichtungen für einen bestimmten Zeitraum zur Verfügung. Zwischen den stationären Aufnahmen und danach fehlen viele entsprechende Einrichtungen.

In den nächsten zehn Jahren erwarte ich … weitere Entwicklungen in der Akutversorgung. Immer mehr schwer Erkrankte oder Unfallopfer werden als chronisch Kranke überleben und bedürfen dann der Erhaltung einer optimalen Lebensqualität unter einer minimal möglichen Hilfestellung vonseiten Fremder.

Den Ausgleich zu meinem Beruf … finde ich in der Kultur, beim Sport und beim Zusammensein mit Freunden.                  bw

Elisabeth Preisinger studierte Medizin an der Universität Wien und promovierte 1979. Nach Ausbildungsstationen in Wiener Neustadt und im Wiener Krankenhaus Rudolfstiftung folgte die Facharztausbildung für Physikalische Medizin und Rehabilitation, später das Zusatzfach Rheumatologie am Wiener AKH, wo sie auch die Osteoporose- und Wirbelsäulenambulanz leitete. 1996 folgte die Habilitation zum Thema Osteoporose. Von 1993 bis 2009 hatte Preisinger die medizinisch-wissenschaftliche Leitung der Akademie für den physiotherapeutischen Dienst am AKH Wien inne. Seit 2001 ist sie Vorstand an der Physikalischen Medizin und Rehabilitation am Krankenhaus Hietzing mit Neurologischem Zentrum Rosenhügel. Seit 2000 ist Elisabeth Preisinger zudem Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft zur Erforschung des Knochens und Mineralstoffwechsels und Präsidentin elect der ÖGKM Österreichischen Gesellschaft für Knochen und Mineralstoffwechsel.

Der jährlich stattfindende Wiener Osteoporosetag und die Ärztefortbildung im Wiener Rathaus unter der wissenschaftlichen Leitung von Prim. Univ.-Prof. Dr. Elisabeth Preisinger findet heuer
am 30. Oktober 2014 statt.