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Liebe Leserinnen und Leser,


„Und täglich grüßt das Murmeltier“ ist eine Filmkomödie, in der ein egozentrischer und zynischer TV-Wetteransager in der Kleinstadt Punxsutawney in einer Zeitschleife festsitzt. Wer regelmäßig die Gesundheitsgespräche im malerischen Tiroler Alpbach besucht, fühlt sich in einer ähnlichen Zeitschleife – dieselben Gesichter, derselbe Ablauf, dieselben Themen, dieselben Diskussionen und kaum ein Ende in Sicht. Einzig die Minister, denen die visionären Ideen aus über 30 Arbeitsgruppen präsentiert wurden, waren heuer andere: Gesundheitsministerin Dr. Sabine Oberhauser und Dr. Sophie Karmasin, Bundesministerin für Familie und Jugend. Sie nahmen die Vorschläge engagiert entgegen und versprachen Ergebnisse... und täglich grüßt das Murmeltier ... und die Hoffnung, dass Reformvorschläge umgesetzt werden, stirbt zuletzt.
Heuer standen die Gespräche unter dem Motto „Ungleichheit macht krank – Krankheit macht ungleich“. Von der abstrakten Intro bis hin zu handfesten Themen war bald klar, dass nicht nur arm und krank zwei zu diskutierende Pole waren. Auf Ungleichheit im Gesundheitsweisen treffen wir täglich, etwa in der Gestalt der Arbeitsbedingungen der Ärzte, der Chancengleichheit für Patienten, sich im System zurechtzufinden, der Zweiklassenmedizin. Die Lebenserwartung ist im Durchschnitt in Wien-Brigittenau um vier Jahre geringer als in Wien-Döbling, in Städten niedriger als auf dem Land. Bildung, Lebensumstände, Arbeitswelt und Einkommen sind neben der individuellen Genetik Bedingungen für Ungleichheit und von einer Gesundheitsministerin gar nicht lösbare Anforderungen. Letztendlich fußt das gesamte heimische Gesundheitswesen auf der Ungleichheit aufgrund föderalistischer Strukturen.

Für uns und auch Sie, liebe Leser, sind diese Themen sicher nicht neu, stehen sie doch immer im Mittelpunkt unserer Berichterstattung. Wir greifen auf, was Sie bewegt und versuchen nicht nur Standpunkte darzustellen, sondern auch Lösungsmodelle zu beschreiben.

In diesem Sinn freuen wir uns, Ihnen mit der aktuellen Ausgabe wieder interessante Lesestunden zu bereiten!

Mag. Renate Haiden
Chefredakteurin