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Idylle am Wasser

Wohnen am See ist der Traum vieler Menschen. Realisierbar ist er allerdings nur für wenige, denn exklusive Immobilien mit Seezugang werden immer rarer und dementsprechend teurer.


Ein direkter Zugang zum Wasser und nichts als Natur und Ruhe rundum bieten hohe Wohnqualität, doch die entsprechenden Immobilien an den dafür infrage kommenden österreichischen Seen sind nicht gerade zahlreich vorhanden. Für die hohe Nachfrage stehen viel zu wenige Objekte zur Verfügung. So interessieren sich beispielsweise rund 5.000 Personen aus dem In- und Ausland für ein Seegrundstück in Kärnten, pro Jahr stehen an den gefragten Seen jedoch nicht mehr als 20 bis 30 Objekte zur Verfügung. Dennoch: Es gibt sie und sie wechseln auch dann und wann den Besitzer. So auch auf dem sicherlich beliebtesten und mondänsten See des Landes – dem Wörthersee. Wer aber sucht, wird sicherlich in jedem Segment fündig: Selbst alte Villen sind zu haben – wenn auch nur sehr selten. Ein Blick auf die Immobilienseiten der dort ansässigen Büros lohnt sich auf jeden Fall und beflügelt die Wohnfantasien. „Die größte Nachfrage besteht bei den Immobilien in direkter Seelage oder zumindest mit Seezugang“, erzählt der Immobilientreuhänder Günther Seidl.

Aktuell stünden einige sehr interessante und durchaus verschiedenartige Immobilien zur Vermietung. Direkt am Seecorso Velden beispielsweise – nur wenige Gehminuten vom Casino Velden und vom Zentrum entfernt – befinden sich sechs exklusive Seebungalows, wobei jeder von ihnen über einen exzellenten Seeblick verfügt. Die Nettomiete für die 115 m2 großen Bungalows (zzgl. rund 30 m2 Terrasse) beträgt 1.800 Euro exklusive Betriebskosten.

Ebenfalls in Velden – und als Eigentum zu erwerben – sind zwei moderne, helle, in einer Villenanlage gelegene Wohnungen mit Seeblick-Balkonen. Der Kaufpreis der 98 bzw. 92 m2 großen Wohnungen plus Balkon zur Seeseite hin beträgt 590.000 bzw. 545.000 Euro.
Keine Preisangabe findet der Immobiliensuchende mitunter bei sehr exklusiven Objekten, wie etwa der am Wörthersee-Nord­ufer gelegenen Jahrhundertwende-Villa mit eigenem Seegrundstück. Die Beschreibung lässt einem aber Schönstes erahnen: Das Haus liegt auf einem großzügigen, uneinsehbaren Plateau-Grundstück in „Alleinlage“ nur wenige Gehminuten vom eigenen Seegrundstück entfernt.

Der Preis der am gegenüberliegenden Ufer situierten Seeliegenschaft mit 48 Metern Ufer ist hingegen schon bekannt: 1,650.000 Euro ist die Liegenschaft wert. Einziger Wermutstropfen: Sie wurde bereits verkauft. Neben den Einzelimmobilien gibt es natürlich auch einige größere Wohnprojekte, die jüngst realisiert wurden. Darunter befindet sich die bei Auen gelegene, 29 Wohnungen große Anlage „Seerose“. Eine etwas kleinere, aber durch ihre schlichte Bauweise bestechende Anlage – „Wohnen am See“ (zwölf exklusive Wohnungen) – liegt direkt am Ufer und wurde 2009 fertiggestellt. Die Kosten etwa für ein 58 m2 großes Top mit rund 18 m2 Terrasse plus Garten belaufen sich auf 286.000 Euro.
Ebenfalls interessant sind die Seeresidenzen in Pörtschach und Dellach. Letztere verfügt über 16 Luxusappartements in sonniger Hanglage mit unverbaubarem Freiblick auf den Wörthersee – eigener Badestrand und Poolanlage inklusive. Alle Einheiten sind mit großzügigen Terrassen und Balkonen ausgestattet, die einen traumhaften Ausblick auf den Wörthersee gewähren.
Und wie sieht die Situation am südwestlich des Wörthersees gelegenen Faaker See aus? „Dort ist der Markt sehr eng“, meint Seidl. Alle zwei bis drei Jahre komme dort eine Liegenschaft zum Verkauf. Dies hat sowohl mit der Kleinheit des Sees zu tun als auch mit der Tatsache, dass es sich hier um einen See mit großem Naturschutzgebiet-Anteil handelt. Auch die vielen Campingplätze beanspruchen einen nicht unerheblichen Teil des Seeufers. Preislich schaut es allerdings wesentlich besser aus als beim Wörthersee: Ein Apartment am Faaker See ist in etwa halb so teuer (rund 5.000 statt 10.000 Euro pro m2) als am Wörthersee. Für viele ist aber auch ein anderer Faktor für die Wahl des kleineren Sees entscheidend: „Er ist wesentlich ruhiger, da auf ihm maximal Elektroboote verkehren dürfen, während auf dem Wörthersee täglich viele Motorboote – 360 Lizenzen sind vergeben – ihre Runden ziehen.“
Am Millstätter See gibt es derzeit eher Objekte in der „zweiten Reihe“ oder zumindest mit Seeblick (rund 4.000 Euro pro m2). „In der ersten Reihe ist derzeit so gut wie nichts zu finden – weder alt noch neu“, so Seidl.
Die Situation am Ossiacher See hingegen sieht etwas besser aus: „Der ist im Kommen“, meint der Immobilienfachmann, weil noch genügend unbebaute Flächen vorhanden sind (rund 5.000 Euro pro m2 für einen Erstbezug). Die Preise sind hoch und sie werden sich stetig nach oben entwickeln, lautet Seidls Prognose. Demnach kann eine See-Immobilie als wertsichere Kapitalanlage gesehen werden – mit kühlem Nass des Sees als tägliche Rendite.

Salzkammergutidylle

Und wie sieht die Nachfrage nach Immobilien im klimatisch nicht ganz so begünstigten Salzkammergut aus? „Das Begehr ist ungebrochen groß“, bringt es Walter Mairinger, Immobilientreuhänder in der Region Attersee (Attersee Exclusiv Immobilien), auf den Punkt. Wobei hier das direkte Wohnen am Wasser gemeint sei und nicht die „zweite Reihe“. Ähnlich wie bei den Kärntner Seen gelte auch hier: Der Markt ist aufgrund der limitierten Uferlängen begrenzt. Am Attersee gebe es nicht mehr als rund fünf Liegenschaftswechsel pro Jahr. Leere Grundstücke, wo es möglich ist zu bauen, seien so gut wie keine vorhanden. Dies hänge mit den strengen Naturschutzauflagen zusammen. Rund um den See säumt sich eine 500 Meter lange Seeuferschutzzone und alles, was im Nahebereich gebaut werden soll, werde bis ins Detail geprüft. Dies habe dazu geführt, dass der Bestand sehr gefragt sei, sagt Mairinger. Preislich kann der Attersee beinahe mit dem Kärntner Favoriten Wörthersee mithalten (8.000 bis 10.000 Euro pro m2). Hier hat sich am Attersee – im Vergleich zu den anderen Salzkammergut Seen – am meisten bewegt: „Und da ist auch kein Ende in Sicht“, prognostiziert Mairinger.  

Der Markt gebe aber bei weitem mehr her, als die Immobilienbörsen anzeigen, denn: „Die guten Immobilien sind im Netz kaum zu finden“, erklärt der Immobilienfachmann. Hochpreisige, exklusive Liegenschaften werden eher diskret gehandhabt: „Landet eine Immobilie am Wasser bei mir, so kontaktiere ich zuerst einmal jene Personen, die sich für das betreffende Objekt interessieren könnten, bevor ich ein Inserat schalte.“
In der zweiten und dritten Reihe ist das Angebot naturgemäß wesentlich breiter. Wobei es zumindest derzeit auch dort schwierig sei, ein gutes Objekt zu ergattern. Das liege auch daran, dass viele Leute in unsicheren Zeiten ihre Immobilien lieber behalten.
Am Altausseer See sind die Preise in der ersten Reihe ein wenig günstiger: „Wobei es nur eine Frage der Zeit ist, dass die nachziehen“, so Mairinger. Das Gleiche gelte für den Traunsee.
„Dieser See ist in gewisser Weise noch unentdeckt“, ergänzt Florian Kammerstätter, Geschäftsführer der Consulting Company Immobilien und Projektmanagement GmbH. Das Verhältnis von Preis und Leistung sei außerordentlich gut – demnach könne der Traunsee als eine Art Geheimtipp angesehen werden. Auch der – auf anderen Seen kaum mehr vorhandene freie Platz – ist dort durchaus noch vorhanden.

Weitere Besonderheiten – Gmunden ist keine Marktgemeinde, sondern eine wunderschöne Stadt, die auf der kulturellen Achse Richtung Bad Ischl liegt – werden diese Entwicklung durchaus noch beschleunigen, meint Kammerstätter, der mit den Parkvillen Altmünster sein erstes Wohnprojekt am Traunsee realisierte. In lockerer Bebauung entstehen hier neun viergeschossige Villen mit Wohnungen in beinahe jeder Größe – von der Garconnière bis hin zum großzügigen Penthouse mit üppiger Dachterrasse. Wer lieber in einem Haus, einer alten Villa oder einem Bauernhof leben möchte, der wird auch in diesem Segment durchaus fündig. Bei der Recherche nach exklusiven Immobilien am Traunsee im Internet stößt der Suchende zum Beispiel auf ein Chalet am Wasser in Altmünster – Kaufpreis 2,900.000 Euro. Für nähere Informationen solle der Interessierte eine unverbindliche Anfrage schicken – Diskretion ist hier offenbar erwünscht (immobilien.net).
Aber nicht alle Immobilien dieser Liga scheinen diskret behandelt zu werden: So findet der Suchende beispielsweise genaueste Angaben zu einem wunderschönen, restaurierten Bauernhof (immowelt.at) – ebenfalls am Traunsee gelegen: Der 1850 erbaute Gutshof ist für 990.000 Euro zu haben. Dieser auf den ersten Blick horrend hoch anmutende Kaufpreis scheint bei näherem Hinsehen jedoch mehr als gerechtfertigt zu sein, denn geboten wird vieles: Der großteils authentisch erhaltene Hof liegt mitten im Grünen und besticht durch seinen romantischen Innenhof, welcher der Liegenschaft einen besonderen Charme verleiht. Auch innen scheint der restaurierte Bauernhof mit einigem aufzuwarten: Die Raumaufteilung im Haupthaus besteht aus fünf Zimmern, zwei Bädern, zwei Küchen, großem Balkon und einer Gartenterrasse. Das Grundstück mit ca. 2.500 m² verfügt über eine großzügige Zufahrt, einen schön angelegten Garten mit zum Teil altem Baumbestand sowie einen kleinen Bach als natürlichen Grenzverlauf. Zusätzlich zur modernen Ölzentralheizung spenden zwei große Kachelöfen optimale und gemütliche Wärme.
Wer hier einzieht, der versteht mit Sicherheit die von den Römern geprägte Bezeichnung für den Traunsee – „lacus felix“, zu Deutsch glücklicher See.

ct

Foto: Kärnten Werbung / gerdl

Kärnten

„Land des Wassers“: Diesen Namen haben Kärnten die vielen Seen (1.270) unterschiedlicher Größe und unterschiedlichen Charakters eingetragen. Sie alle zusammen verfügen über 60 km² Fläche, wovon die vier größten – Wörthersee, Millstätter See, Ossiacher See und Weißensee – rund 50 km² umfassen. Lediglich 200 der carinthischen Seen sind Badeseen – zum Teil mit Seebädern, Campingplätzen und Gastronomie. Geschätzt werden die Kärntner Seen insbesondere wegen der herrlichen Landschaft, von der sie umgeben sind: Um den Weißensee und den Pressegger See zeichnen die schroffen Ketten der Kalkalpen eindrucksvolle Panoramen. Den Millstätter See wiederum säumen die zahlreichen Kuppen der Nockberge und der türkisblaue Wörthersee – mit über 19 km² Wasserfläche der größte See Kärntens – ist in eine sanfte Hügellandschaft gebettet. Das vielfältige touristische Angebot (Baden, Segeln, Surfen, Boot fahren, Wasserskilauf sowie ein reichhaltiges kulturelles Angebot) macht ihn zum beliebten Jetset-Treff und sein Nordufer trägt daher den Beinamen „Riviera Österreichs“.
Intensive Sonneneinstrahlung, geringe Durchflutung sowie Windarmut bewirken, dass das Wasser angenehme Badetemperaturen von Juni bis September aufweist – in Ufernähe kann es sogar vorkommen, dass sich das Wasser bis zu 28 Grad Celsius aufwärmt. Der tiefste und zugleich auch wasserreichste der Seen ist mit 141 Metern Tiefe der Millstätter See. Der 930 Meter hoch gelegene Weißensee am Fuße des Latschur (2.236 m) gilt mit einer Sichttiefe von bis zu zwölf Metern als einer der saubersten Alpenseen überhaupt. 630 der Kärntner Seen liegen über 1.000 Meter.

Salzkammergut

Die Region zwischen Dachsteinmassiv, Totem Gebirge und Höllengebirge in den Bundesländern Oberösterreich, Salzburg und Steiermark beherbergt mehr als 70 Seen unterschiedlicher Größe. Jeder von ihnen hat seine Eigenheit und allesamt haben sie Badequalität. Neben dem Irrsee – einem Moorsee mit bis zu 27 Grad Celsius – gilt der Mondsee mit 26 Grad Wassertemperatur als wärmster See der Region. Der benachbarte Attersee wiederum ist mit 46 km² Wasserfläche der größte der Salzkammergutseen und wird von Seglern vor allem wegen des günstigen „Rosenwindes“ sehr geschätzt.
Mit bis zu 191 Metern Wassertiefe ist der Traunsee dafür der tiefste aller Salzkammergutseen. Nicht minder imposant beeindruckt die Szenerie rund um den Grundlsee am Fuße des Toten Gebirges. Von seinem Ostufer ist der Toplitzsee – in dem die Nationalsozialisten Ende des Zweiten Weltkriegs Tonnen von Gold versenkt haben sollen – in nur 15 Minuten erreichbar.
Der Wolfgangsee wiederum besticht durch seine außergewöhnliche Wasserqualität: Deshalb wurde er von der Europäischen Union zu einem Referenzgewässer ernannt. Unter anderem ist hier der Perlfisch heimisch, der nur in sehr sauberen Gewässern vorkommt. Der See gilt wegen seines meist ganzjährig sehr klaren Wassers auch als vorzügliches Tauchgebiet. Taucher finden bei der Franzosenschanze eine bizarre Unterwasserlandschaft mit versunkenen Bäumen vor.
Zu den geschichtsträchtigsten Gewässern der Region gehört der Hallstätter See. An seinen Ufern siedelten nachweislich schon vor über 4.000 Jahren die Kelten. Der Reiz der Landschaft sowie ihre kultur- und industriehistorische Bedeutung haben die UNESCO 1997 dazu bewogen, die Region Hallstatt-Dachstein-Salzkammergut zum Weltkulturerbe zu erklären.