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Gesundheit 2025 – Wohin entwickelt sich die Medizin?

Wie wird das österreichische Gesundheitssystem in zehn Jahren aussehen? Dieser Frage unter dem Motto „At the Crossroads“ wurde kürzlich im Rahmen der Alpbacher Gesundheitsgespräche nachgegangen.


Bundesminister Alois Stöger

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“, war wohl eines der knackigsten Zitate aus der Ära des deutschen Bundeskanzlers Helmut Schmidt. Ganz anders sehen es die rund 200 Teilnehmer, die sich jährlich zum gesundheitspolitischen Forum im Tiroler Alpbach treffen, denn genau das ist ihr Ziel: gemeinsam Visionen für ein künftiges und vielleicht besseres Gesundheitssystem zu erarbeiten und auf ihre Praxistauglichkeit zu prüfen, indem sie mit relevanten Entscheidungsträgern auch gleich vor Ort diskutiert werden.

Visionen erwünscht

Experten aus Politik, Wirtschaft und Medizin, Vertreter von Selbsthilfegruppen, Medien oder den Universitäten bildeten daher heuer wieder für zwei Tage eine illustre Runde, erörterten Stolpersteine und Knackpunkte und skizzierten mögliche Lösungswege hin zu einem bürgerorientierten Gesundheitswesen. Im Zentrum standen die rasanten Entwicklungen im Bereich Big Data, Neuroscience und Genetik. Tradition ist auch die Präsentation der Ergebnisse vor dem Gesundheitsminister.
Einig waren sich alle Teilnehmer, dass bereits jetzt die grundlegenden Entscheidungen getroffen werden müssen, um die richtigen Entwicklungen einzuleiten, denn der medizinische Bedarf und die gesellschaftlichen Bedürfnisse driften merklich auseinander. Technologische Innovationen und der wissenschaftliche Fortschritt bieten ungeahnte Möglichkeiten, eine Umsetzung in den „Alltag im Gesundheitswesen“ wird aber nur stattfinden, wenn rechtzeitig entschieden wird, was davon nützlich, ethisch vertretbar und auch leistbar ist.

Mehr Gesundheit braucht konkrete Ziele

Pharmig-Präsident Prof. Dr. Robin Rumler forderte in seiner Eröffnungsrede Gesundheit für die Menschen anstatt Geld für die Strukturen. Dass dazu mutige Entscheidungen erforderlich sind, versteht sich von selbst. „Der Grundstein ist bereits mit der Gesundheitsreform gelegt worden. Nun gilt es, rasch konkrete und langfristige Ziele zu kommunizieren, die für die Menschen fassbar sind. Nur wenn die Menschen die Ziele verstehen, können sie sich damit identifizieren und sie zu ihren eigenen machen“, ist Rumler überzeugt. Plakative Beispiele hat der Kenner des Systems genug auf Lager, wie etwa die Steigerung der Lebenserwartung auf 85 Jahre, eine substanzielle Senkung der Diabetes- und COPD-Erkrankungen und eine noch erfolgreichere Behandlung bei Krebs. Besondere Aufmerksamkeit will Rumler auf Kindergesundheit legen. „Heute sind unsere Jugendlichen europäische Spitzenreiter beim Tabak- und Alkoholkonsum. Es liegt in unserer gemeinsamen Verantwortung, sie unter die Top 3 der gesündesten Jugendlichen in Europa zu bringen. Die Gesundheitsreform gibt uns die Möglichkeit, konkrete Maßnahmen zu definieren und am Best-Point-of-Service umzusetzen. Wir müssen diese Chance auch wahrnehmen“, fordert der Pharmig-Präsident nachdrücklich und ruft zu mehr Mut im Umgang mit neuen Technologien und Kommunikationswegen auf. „Die pharmazeutische Industrie steht für Innovation und hat damit das Gesundheitswesen wesentlich weiterentwickelt“, betonte Rumler.
Als Beispiel erinnerte er, dass HIV zu Beginn der 90er-Jahre noch ein Todesurteil war und heute eine chronische Krankheit sei, und zwar mithilfe engagierter Arzneimittelforschung. „Wir forschen jetzt und auch in Zukunft weiter an innovativen Therapien und beschreiten mit der personalisierten Medizin völlig neue Wege“, sagte Rumler. Erst letztes Jahr habe die pharmazeutische Industrie 37 Medikamente mit einem völlig neuen Wirkstoff auf den Markt gebracht. Auch in Österreich wird intensiv geforscht: Allein hierzulande liefen im Jahr 2013 500 Studien mit ca. 7.000 Patienten. Rumler appellierte an die in Alpbach anwesenden Experten, gemeinsam bei der Weiterentwicklung des Gesundheitswesens die Priorität auf die Gesundheit der Menschen und nicht auf den Erhalt der Strukturen zu legen.

Datenverfügbarkeit als Chance begreifen

„Die Analyse von Gesundheitsdaten ist ein Treiber für Innovation“, erklärte Dr. Jan Oliver Huber, Generalsekretär der Pharmig bei den Diskussionen in Alpbach. Schon heute steht eine überaus große Datenmenge zur Verfügung, die völlig neue Erkenntnisse über bisher unbekannte Krankheiten zu Tage fördern könnte. „Wir brauchen zum Beispiel eine vorzeigbare, epidemiologische Datenlandschaft“, so Huber. Er regt an, die qualitätsgesicherte Nutzung von Gesundheitsdaten als strategisches Ziel im Bundeszielsteuerungsvertrag zu verankern.
Bisher steht die Nutzung entsprechender Daten nicht auf der politischen Agenda. „Es ist zu hinterfragen, ob die Nichtnutzung ohnehin bereits vorhandener Daten ethisch noch vertretbar ist. Öffentlich finanzierte Einrichtungen, die diese Daten besitzen, müssen sie zugänglich machen“, sagt Huber. Wesentlich sei, der Bevölkerung den Nutzen der Verwendung von Gesundheitsdaten näherzubringen. Auch dürfe der Datenschutz nicht zum Hemmschuh werden, sondern müsse selbstverständlicher Bestandteil im Datenmanagement sein, so Huber.
Es muss gemeinsames Selbstverständnis aller Stakeholder im Gesundheitswesen werden, die planmäßige, qualitätsgesicherte und selbstverständlich dem Datenschutz entsprechende Anwendung solcher Daten zu leben. Nur auf Basis gesicherter Gesundheitsdaten können Ergebnis-Qualitätsparameter festgelegt und Maßnahmen in der Patientenversorgung auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden.

Elf Fragen für die Zukunft

Die Breakout Sessions wurden heuer neu konzipiert, um mehr Austausch zwischen den Teilnehmern zu ermöglichen. Ausgehend von elf Zukunftsfragen wurden in Kleingruppen von maximal zehn Teilnehmern aus dem gemeinsamen Wissen Zukunftsbilder für die Weiterentwicklung des österreichischen Gesundheitssystems bis zum Jahr 2025 entworfen. Jede Zukunftsfrage wurde von einem Mitglied des Programmbeirates der Alpbacher Gesundheitsgespräche betreut und im Anschluss für das Plenum zusammengefasst.
Einige zentrale Ansatzpunkte und Querschnittsthemen wurden in den meisten der Arbeitsgruppen angesprochen, so beispielsweise die Notwendigkeit, Gesundheit in Österreich viel stärker als bisher als zentrale Querschnittsmaterie zu verankern („Health in all Policies“). Auffallend ist auch, dass alle Arbeitsgruppen den Bedarf nach verstärkter Kommunikation und Information quer über das gesamte Gesundheitswesen orten, und zwar sowohl in Richtung der Bürger und Patienten als auch innerhalb der Akteure des Gesundheitswesens. Auch das Stichwort „Integration“ prägt die Zukunftsüberlegungen, und zwar innerhalb des Systems („integrierte Versorgungssysteme“) wie auch die notwendige stärkere Integration von Gesundheits-, Bildungs- und Sozialsystem.
Die in Angriff genommene Gesundheitsreform wird von den Experten bei vielen Themen nicht als letzter Reformschritt gesehen, sondern vielmehr als dringend notwendige Basis für die großen Veränderungen und Trends bis zum Jahr 2025.

Politik muss Rahmen schaffen

Radikal formuliert Gesundheitsminister Alois Stöger in seiner Conclusio einen klaren Paradigmenwechsel: von der Krankheit zur Gesundheit, von der Institutionenorientierung zur Patientenorientierung und hin zu einer kooperativen, sektorenübergreifenden Gesundheitspolitik. „Der politische Überbau muss sicherstellen, dass dieser Paradigmenwechsel auch möglich ist“, so der Minister. Auch für ihn ist die Gesundheitsreform nur ein Anfang, transparente Jahresarbeitsprogramme müssen folgen. Seine Zukunftsbilder setzen auf jenen Maßnahmen auf, die in den letzten Jahren forciert wurden: „ELGA wird im Jahre 2025 so selbstverständlich sein wie die e-card heute, in den Lokalen wird nicht mehr geraucht und alle Bürger kennen ihren ‚Best Point of Service‘. Eine Finanzierung des Gesundheitssektors gemessen am Bruttoinlandsprodukt ist sichergestellt und Politiker, die hier Einschnitte machen, sollen abgewählt werden können. Die Wertschöpfung muss im Land bleiben und 10 % der Wirtschaftsleistung müssen erkennbar für den Gesundheitssektor re-investiert werden“, skizziert der Minister. In den Gesundheitsberufen soll in den nächsten zehn Jahren vermehrt praxisorientiert ausgebildet werden und die Kommunikation zwischen den Berufsgruppen und Stakeholdern muss intensiviert werden. Um diesen Paradigmenwechsel langfristig halten zu können, ist eine radikale Gesundheitsplanung, -finanzierung und -steuerung erforderlich. „Es gibt keine Gesundheit für alle, wenn wir nicht solidarisch agieren. Der Zug fährt, ich lade Sie ein, die Wagons zu besetzen und mitzufahren“, so Stöger abschließend.                                  rh

Zentrale Forderungen aus den Arbeitsgruppen 

  • Einrichtung eines Weisenrates
  • Prävention als zentralen Schwerpunkt des Gesundheitswesens in den Vordergrund rücken
  • Gesundheit als Querschnittsmaterie ernst nehmen
  • Schaffung integrierter Versorgungssysteme
  • Etablierung einer präventionsorientierten Gesundheitserziehung
  • Gesundheitsbildung als Schulfach
  • Erarbeitung einer Strategie für die Nutzung von Gesundheitsdaten unter Wahrung der Patientenrechte
  • Etablierung professioneller Kommunikations- und Informationspolitik im Gesundheitswesen
  • Schaffung eines umfassenden Gesundheitsbegriffs
  • Permanentes Benchmarking des Gesundheitswesens mit Best-Practice-Ländern (Skandinavien etc.) als zentrales Element eines Monitoring- und Evaluierungssystems
  • Erarbeitung einer Datenverarbeitungs-Verordnung speziell für die Anforderungen des Gesundheitswesens
  • Nutzung der positiven Möglichkeiten der Gentechnik (Früherkennung, erweiterte Behandlungsmöglichkeiten) unter genauen gesetzlichen Rahmenbedingungen
  • Schaffung neuer Berufsbilder entlang der zentralen Entwicklungsfelder im Gesundheitswesen (z. B. Gen-Berater)
  • Stärkung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung

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