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Gesunde Bluechips

Die Weltbevölkerung wird nicht jünger. Welche gesunden Börsenflaggschiffe davon profitieren und wie Sie als Anleger mitnaschen können, zeigt ÄRZTE EXKLUSIV.


foto: istockphoto

Connie Gaisbauer, Aktien-Research-Chefin der Raiffeisen Bank International

attraktiven Dividenden.“  

Monika Rosen, Chefanalystin, Bank Austria Private Banking

Wolfgang Traindl, Head of Erste Private Banking

Im Jahr 2060 wird knapp ein Drittel der österreichischen Bevölkerung 65 Jahre oder älter sein. Heute sind es laut Statistik Austria noch weniger als 19 Prozent. Laut Berechnungen des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung wird sich der Anteil der über 59-Jährigen an der Weltbevölkerung gegenüber 2010 bis 2050 verdoppeln!
Trends schaffen Märkte. Wer sich daher als Anleger auf diesen Wachstumsmärkten tummelt und die führenden Unternehmen mit solidem Ertragswachstum herausfiltert, hat bestens vorgesorgt. Neben Pharma-Werten, börsennotierten Anbietern von Seniorenresidenzen und Privatkliniken und Fitness-Aktien profitieren Hersteller von Medizintechnik vom gesellschaftlichen Wandel.

Pillendreher mit Potenzial

Immer eine gute Wahl ist der Schweizer Pharmakonzern Novartis, aber auch Generika-Hersteller wie der israelische Konzern Teva Pharmaceutical Industries oder das indische Unternehmen Dr. Reddy’s Laboratories sind zu empfehlen, zumal die „kranken Kassen“ zunehmend die günstigeren „Kopien“ bezahlen. Gut im Geschäft sind auch die innovativen Krebsforscher Merck und Bristol-Myers Squibb. Sie alle gewinnen bei steigender Lebenserwartung. Nicht nur das: Viele Pharmafirmen sind verlässliche Dividendenzahler.
Der deutsche Gesundheitskonzern Fresenius wächst kontinuierlich. Er ist Spezialist für Dialyseprodukte und -dienstleistungen, für Infusionstechnologien und medizinische Einrichtungen. Die Fresenius-Tochter Helios kann durch die jüngste Übernahme von Quirónsalud, des größten privaten Klinikbetreibers in Spanien, um 5,76 Milliarden Euro ihre Position als größter europäischer Klinikbetreiber ausbauen. Schon 2017 soll Quirónsalud einen positiven Beitrag in der Fresenius-Bilanz bringen.
Mit dem Alter steigt die Gefahr von Knochenbrüchen, Abnützungserscheinungen nehmen zu. Daher sind auf orthopädische Implantate spezialisierte Medizintechnikunternehmen wie Stryker, Medtronic und Zimmer Biomet Holdings viel versprechende Aktien.

Roboter im OP-Saal

Die Automatisierung macht auch im OP-Saal nicht halt. Große Zukunft hat hier der Operationsroboter „Da Vinci“ von Intuitive Surgical. Der US-amerikanische Chirurgie-Roboterhersteller verbucht satte Gewinne, die eine bereits teure Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp über 28 rechtfertigen.
Einen Blick wert ist auch der amerikanische Laborausstatter und Medizintechnikspezialist Becton Dickinson.
Für Monika Rosen, Chefanalystin bei Bank Austria Private Banking, gehört der Gesundheitssektor sicher zu den klassisch defensiven Branchen, mit stabilem Gewinntrend und meist attraktiven Dividenden. Dies wird von den Anlegern umso mehr geschätzt, wenn das Börsenumfeld rauer wird, was nach den starken Anstiegen der letzten Jahre durchaus einmal vorkommen kann. Speziell wenn es beim Wirtschaftswachstum Enttäuschungen gibt, sind defensive Werte wie Health Care gefragt, weil sie weniger stark vom Konjunktur-Zyklus abhängig sind.
Bei allem Lob für die Branche warnt die Bank Austria-Expertin aber auch, dass in den USA heuer die Präsidentschaftswahl den Sektor belaste: „Hillary Clinton, die derzeit in den Umfragen in Führung liegt und generell von den Märkten auch bevorzugt wird, ist dafür bekannt, im Gesundheitsbereich Reformen durchführen zu wollen, die letztlich die Gewinne des Sektors in den USA beschneiden könnten. Dies gilt vor allem für Pharma-Werte, da Hillary Clinton ja die Medikamentenpreise deckeln will.“

Die Lieblingsaktien der Experten

Fritz Mostböck, Chef-Analyst der Erste Group, hat als Top-Picks „ zwei westeuropäische, einen US- und einen CEE-Titel gewählt. Tatsächlich empfehlen wir vor allem den eher defensiven Gesundheitsbereich schon seit längerer Zeit!“ Seine vier Favoriten sind:
Die dänische Coloplast entwickelt und vertreibt Gesundheitsprodukte, zum Beispiel Wundheilung, Hautpflege, Inkontinenz und Dienstleistungen. Laut Erwartungen sollten Umsatz und Gewinne signifikant steigen. Die Aktie bietet eine hohe Eigenkapitalrentabilität und attraktive Margen.
Celgene ist ein US-amerikanisches Biotechnologie-Unternehmen mit Schwerpunkten in der Entwicklung von Krebsmedikamenten und der Behandlung von Krankheiten des Immunsystems. Bei dem amerikanischen Unternehmen ist ein stark wachsender Umsatz bei gleichzeitig hohen Margen und hoher Eigenkapitalrentabilität vorprogrammiert.
Richter ist ein aufstrebender ungarischer Pharmakonzern. Er hat sich erfolgreich von einem reinen Generika-Player zum Spezialitäten-Pharmaanbieter entwickelt. Der Konzern verfügt über eine stabile Forschungs- und Entwicklungs-Pipeline. Mit der Übernahme eines Schweizer Biotech-Unternehmens hat er seine Position in europäischen Hauptmärkten weiter gestärkt. Wichtigste Märkte sind die EU 15 (20 Prozent), CEE (32 Prozent), Russland (21 Prozent) sowie China (sechs Prozent) und USA (vier Prozent).
Die deutsche Fresenius ist im Wesentlichen in den Bereichen Dialyse, Generika, klinische Ernährung, Krankenhausbetrieb und in anderen Projekten für das Gesundheitswesen tätig. Der Konzern ist global diversifiziert in den Märkten USA (46 %), Europa (28 %) und Asien/Pazifik (10 %). Umsatz- und Gewinn wachsen solide.
Fresenius ist auch eine der bevorzugten Aktien von Connie Gaisbauer, Aktien-Research-Chefin der Raiffeisen Bank International. Sehr gut laufe das Geschäft nicht nur bei den Töchtern Helios und Medical Care, sondern auch bei Fresenius Kabi. Deren Pharmapräparate werden vor allem bei chronisch kranken Patienten eingesetzt.
Novartis steht auch auf Gaisbauers Hitliste: „Der Schweizer Pharmakonzern sollte sich nach einer Verschnaufpause langsam wieder auf Wachstumskurs befinden. Spannendes Thema sind hier Biosimilars. Die Generikatochter Sandoz ist in diesem Gebiet weltweit führend.“ Von der Entwicklung der Demografie profitierten ebenso die Onkologie von Novartis und Alcon, Spezialist für Augenheilkunde. Orpea sei ein weniger vertrauter Gesundheitstitel, „aber hoch interessant! In meinen Augen profitiert kein anderes Unternehmen so stark von der alternden Gesellschaft. Das Unternehmen mit knapp fünf Milliarden Marktkapitalisierung hat den Sitz in Paris und ist in vielen Ländern Europas als führender Anbieter von Pflegeheimen bekannt.“ In Österreich ist Orpea indirekt durch die Akquisition von SeneCura, dem österreichischen Marktführer in diesem Segment, bekannt. „Das Unternehmen glänzt mit einem sehr guten Management und einem sehr guten Track-Rekord bei Übernahmen“, so Gaisbauer. Auch wurde das erste Pflegeheim vor Kurzem in China eröffnet.
Eine der Top-Empfehlungen von Wolfgang Traindl, Head of Erste Private Banking, ist wiederum Fresenius: „2016 rechnet man mit einem Umsatzanstieg um knapp sechs Prozent, 2017 sollte er noch etwas stärker ausfallen. Die Prognose für das Gewinnwachstum 2016 weist einen Anstieg um rund 17 Prozent aus.“ Nächstes Jahr dürfte die Gewinnwachstumsrate rund zehn Prozent betragen.
GlaxoSmithKline ist ein weiterer Tipp von Traindl. Der britische Pharmakonzern entwickelt und produziert Impfstoffe, Medikamente gegen Infektionen, Depressionen, Hauterkrankungen, Asthma, Herz- und Kreislauf-Erkrankungen sowie Krebs. 80 Prozent des Umsatzes werden mit dem Verkauf von Medikamenten generiert, 20 Prozent mit Gesundheitsprodukten. Rund 24 Prozent des Umsatzes werden in den USA abgesetzt.
Die führende Stellung im Bereich der Antiinfektiva wird ausgebaut. Das noch in einer späten Testphase befindliche Antibiotikum Gepotidacin ist sehr aussichtsreich gegen zahlreiche resistente Keime. „2017 rechnet man mit Gewinnwachstum. Wir erwarten, dass die Aktie mittelfristig ihre Sektorenbenchmarks outperformen wird.“
Amgen ist ein bedeutendes US-Biotech-Unternehmen. Die Firma erforscht, entwickelt, produziert und vermarktet Medikamente für zahlreiche Krankheiten. Die Arzneien werden gegen Krebs, Entzündungen und bei Nierenerkrankungen eingesetzt. Für Traindl eine Aktie mit viel Potenzial: „Das Unternehmen verfügt über mehrere Wirkstoffkandidaten im mittleren bis späten Stadium der Entwicklung in einer Reihe von Therapiegebieten wie Onkologie, Hämatologie, Entzündungen, Nephrologie, Kardiovaskular, allgemeiner Medizin sowie Neurowissenschaften. In den vergangenen Jahren wurde eine umfangreiche Akquisitionsstrategie verfolgt und 80 % der Erträge werden in den USA erzielt. Amgen ist zudem ein sehr profitables Unternehmen mit einer überdurchschnittlich hohen operativen Marge.“ Auch sei die Aktie sehr günstig bewertet.
Wer sich wegen der Kursrisiken nicht in Einzelaktien wagt, dem bieten Kapitalanlagegesellschaften wie Erste Group, JP Morgan oder Fidelity & Co Investmentfonds mit breiter Streuung in diversen Gesundheitsaktien an. Oder man setzt etwa mit Indexzertifikaten oder entsprechenden Indexfonds auf eine breite Streuung.
Doch alles hat seinen Preis: Branchen-Aktienfonds haben oftmals einen Ausgabeaufschlag (Gebühr beim Kauf) von fünf Prozent, der erst verdient werden muss. Spesen spart man sich hier mit ETF (Exchange Traded Funds), die nicht von einem Fondsmanager gemanagt werden, sondern „stur“ einem Branchenindex folgen. mn

Was Ertrag beschert

  • Zinsen: Der risikolose Zins von österreichischen und deutschen Bundesanleihen bewegt sich in etwa zwischen null und dem negativen Bereich. Derzeit müssen spürbar positive Zinsen über Währungs- und Emittentenrisiken erkauft werden, da sind solide Aktien oft das geringere Risiko.
  • Dividenden garantieren eine regelmäßige Ausschüttung bei Aktien, von der Ertragslage des Unternehmens abhängig. Alteingesessene Pharmawerte wie Novartis können hier mehr bieten als junge Medizintechnik-Aktien, die dafür oft mehr Kursfantasie
  • bieten.
  • Wertsteigerungen: Aktienkursgewinne sind bei guter Gewinnentwicklung und positiver Marktstimmung möglich.
  • Währungsgewinne bieten – ebenso wie Verluste – Aktien außerhalb der Euro-Zone. Gesundheitsaktien notieren häufig in Dollar, einige von ihnen aber auch gleich auf mehreren Weltbörsen in verschiedenen Währungen, etwa der indische Generika-Konzern Dr. Reddy’s Laboratories in indischer Rupie und US-Dollar.

Nicht alle Eier in einen Korb legen!

Vorsicht! Die oberste Börsenregel, frei nach US-Ökonom Harry Markowitz, sollte man auch bei den gesunden Bluechips befolgen: Niemals alle Eier in einen Korb, zum Beispiel Pharmafonds, legen oder gar nur auf ein Pferd setzen – mag es den anderen technologisch noch so davongaloppieren. Wer in verschiedene Wertpapiere investiert, streut nicht nur das Risiko, auch die Rendite-Erwartungen sind höher. Das Mindestinvestment je Einzelposition sollte aus Spesengründen nicht unter 2.000 Euro betragen. Auch sollte man von seinem veranlagten Vermögen – je nach Risikoneigung – maximal 10 % bis zu einem Drittel in Einzelaktien stecken, den restlichen Aktienanteil in entsprechende Fonds, und diese auch wieder in verschiedene Märkte mit unterschiedlichen Währungsrisiken investieren.


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