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Gartenglück

Das grüne Outdoor-Wohnzimmer wird immer mehr zur durchgestylten trendigen Oase der Erholung. Gartenexperten lassen uns gerne wissen, welche Trends für 2012 besonders angesagt sind.


Das Trendbarometer für den Garten steht wie so oft auf „alles ist möglich“. Dennoch lassen manche Tipps aufhorchen und machen unbändige Lust auf anderes Grün, neue Gartenmöbel oder originelle Dekoration. Auch die neue Saison hat wieder viel Neues und Interessantes zu bieten. Während Wasser im Garten weiterhin ein absolutes Highlight bleibt, kommen vermehrt Kübel- und Topfpflanzen ins Spiel. Neue und wiederentdeckte Pflanzen, innovative Materialien bei den Gartenmöbeln und auffällige Accessoires geben dem grünen Wohnzimmer einen ganz neuen Flair.

Gartenmöbeltrends

Bernhard Kramer, Gartengestalter aus Zöfing bei Judenau, Nähe Tulln, empfiehlt, die Wahl der Gartenmöbel gut zu durchdenken, denn „Möbel übernehmen immer mehr Aufgaben – neben ihrer eigentlichen Funktion weisen sie heute auch skulpturale Verwendung auf“. Dabei seien sowohl knallige Farben, bunte Geflechte als farbliche Akzente im Garten als auch stilvolle Loungemöbel in zartem Weiß oder in Cremetönen gefragt. „Qualität und Anspruch an Materialien und Design steigen immer mehr an“, weiß Kramer. „Aber hochwertige Synthetikmaterialien ermöglichen eine ganzjährige Installierung der Möbel im Außenraum.“
Ein wahrer Experte in Sachen Gartenmöbeln ist auch das Traditionsunternehmen Lederleitner. Im Ausstellungszentrum in Atzenbrugg fällt es schwer, sich auf eine Möbellinie festzulegen – zu schön sind die guten Stücke von klingenden Marken wie Unopiù, Royal Botania, Paola Lenti, Roda oder Caroon. Was auffällt: Neben Flechtmöbeln in sanften Formen punkten nach wie vor reine Holzmöbel mit sanften Kissenfarben und auch Einzelstücke in auffälligen Farben, die als echte Hingucker fungieren.

Pflanzentrends

Mediterran, üppig-rustikal, asiatisch, bio, künstlerisch, Selbstversorger, „Lazy Gardening“ – die Trends betreffend Pflanzenwahl sind so vielfältig, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Ulrike Starkl vom traditionsreichen Familienunternehmen Starkl GmbH sieht den Trend in Richtung Naschgarten gehen. „Bio-Kräuter mit den Klassikern wie Basilikum, Rosmarin oder Schnittlauch bis zu Spezialsorten wie Schoko- und Erdbeerminze, Süßkraut, Wasabi-Rauke und Heilkräutern wie Zitronenkraut, Aloe Vera oder dem Kraut der Unsterblichkeit gehören in den Naschgarten“, macht Starkl Appetit auf Pflanzenexperimente und ergänzt: „Natürlich gehört auch Bio-Gemüse dazu und Obst wie zum Beispiel kleinwüchsige Obstbäume und Säulenformen – auch zum Anbau in Trögen für Balkone und Terrassen.“
Bernhard Kramer setzt bei Pflanzen auf weiche Kontraste zu den baulichen Gestaltungselementen. „Ein ruhiger Grundton, zum Beispiel Weiß, wird mit ein paar knalligen Farnakzenten kombiniert“, empfiehlt Kramer. Er nutzt Pflanzen zudem als Raumtrenner – zum Beispiel in Form von Gräserbändern – und auf modernen urbanen Dachterrassen nutzt der Experte Grünes als Gegenpol zu harten Materialien, etwa als üppige Bepflanzung in Pflanzgefäßen.

Gestaltungstrends

Ulrike Starkl weiß aus Erfahrung, wie sich die Gärten in den letzten Jahren verändert haben: „Die Gärten werden frischer und freundlicher, die Architektur geradliniger, es werden weniger verschiedene Pflanzen gemischt.“ Der Trend zum Obst setze sich laut der Expertin fort, Gräser würden immer beliebter und Koniferen gerieten zunehmend aus der Mode. „Der Kunde möchte sich in seinem Garten wohlfühlen und entspannen und nicht zu viel Arbeit hineininvestieren müssen“, ergänzt Starkl. Dass Gärten eher für „Faule“ konzipiert werden, ist auch dadurch ersichtlich, dass regelmäßige Gartenpflege durch Fachpersonal, automatische Bewässerungsanlagen oder vollautomatische Rasenroboter immer öfter in Anspruch genommen würden.
Bernhard Kramer gibt seiner Kollegin speziell im letzten Punkt Recht, denn der Faktor Zeit würde immer wichtiger. Kramer ist Spezialist für moderne Gartengestaltung und hat schöne Tipps auf Lager: „Die Trennung zwischen Innen- und Außenraum wird aufgehoben“, empfiehlt Kramer. „Die Räume fließen ineinander über, sodass der Parkettboden im Wohnzimmer als Holzbelag der Terrasse verlängert wird.“ Eine dominante Formensprache in der Architektur verlange nach einer geradlinigen Gartenkonzeption mit Betonung von Blickpunkten und -achsen. „Ordnung und Ruhe kehrt durch die funktionale Trennung in spezielle Bereiche ein: etwa Ess-, Lounge-, Grill-, Spiel- und Relaxbereich“, ergänzt Kramer. „So wird der Grünraum optimal genutzt.“
Als Gestaltungselement sind Steine selbstverständlich ein unverzichtbares Material. Experte Lederleitner baut auf Natursteine wie Sandstone, Greystone, Limestone oder Granit in unzähligen Farb­nuancen.

Dekoration und Accessoires

So wie der Innenwohnraum wird auch der Garten derzeit zum Hotspot für Accessoires, Design und stilvolle Dekoration, die je nach Lust und Laune der grünen Oase immer wieder ein neues Motto verpassen. Auch Kunst findet ihren Platz im Garten. Bernhard Kramer nutzt dafür etwa überdimensionale Keramikfrüchte oder auf Edelstahl applizierte Fotografien, die in die Gestaltung – zum Beispiel in einem Wasserbecken – integriert werden. „Inszenierungen mit Licht verlängern das Raumgefühl bis zur Grundstücksgrenze und erhöhen den Aktionsspielraum am Abend“, ergänzt Kramer. „Außerdem erhöht ein stimmiges Lichtkonzept die Dauer der Nutzbarkeit des Gartens.“
Auch Leila Suppan, Einrichtungsexpertin von Suppan & Suppan, hält spannende Tipps bereit: „Die Gestaltung von Balkon, Terrasse und Garten wird immer mehr von fernen Zielen wie Bali, Indien, Marokko oder Thailand inspiriert. Wir wollen einen ‚Freiraum’, der vom Alltag ablenkt und eine Welt schafft, die von Exotik und fremden Kulturen erzählt.“ Für den trendigen asiatischen Garten beispielsweise zaubert man laut Suppan mit geschnitzten Paneelen, alten Holzhockern, geflochtenen Körben oder Buddha-Figuren mit wenigen Handgriffen eine Welt von verwunschenem Dschungel, mystischen Klängen und geschmückten Tempeln. Der Garten als Oase der Ruhe und Sinnlichkeit schafft eine spirituelle Atmosphäre und lädt zum Entspannen ein.
„Als zweiter Trend erfreut sich der orientalische Garten immer größerer Beliebtheit“, weiß Suppan. Die Franzosen haben den orientalischen Flair nach Mitteleuropa gebracht und der Einfluss wird gerne und immer öfter als beliebtes Stilmittel eingesetzt. Wichtig dabei: „Der Stil ist von der legendären orientalischen Gastfreundlichkeit geprägt“, erzählt Leila Suppan. „Dazu gehören Laternen mit bunten Gläsern, Windlichter und farbenfrohe Mosaiktische, typische Eisenstühle genauso wie bunte Polster und Decken.“ Mit marokkanischen Teesets dazu fühlt sich der eigene Garten schnell wie Urlaub pur an.
Unabhängig davon, ob Sie eher die puristische, die verspielte, die traditionelle oder exotische Stilvariante bevorzugen: Der Garten wird dieses Jahr ein fixer Bestandteil unserer persönlichen Wohn- und Erholungszone und mit den Tipps der Experten macht jede Umgestaltung doppelt Spaß.

bw