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Forschergeist

Univ.-Prof. Dr. Markus Müller, Vizerektor für Forschung der Medizinischen Universität Wien, Facharzt für Innere Medizin, Leiter der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie an der Medizinischen Universität Wien/AKH, im Wordrap


Foto: zvg

Für das Medizinstudium und speziell für Innere Medizin habe ich mich entschieden, weil … ich gar nicht anders konnte.

Bezüglich der Konflikte um das neue Ärztearbeitszeitgesetz erwarte ich … eine baldige Lösung. Als 1967 geborenes Kind der Generation „Ärzteschwemme“ und langjährig über Drittmittel angestellter Mitarbeiter ist mir die österreichische Position der letzten Jahrzehnte zum Thema Ärztegehälter, Einsatzeffizienz, Arbeitszeiten und Ausbildung persönlich sehr vertraut. Durch die aktuelle Debatte bietet sich – erstmals seit Jahrzehnten – die Chance für eine international konkurrenzfähige Bezahlung und adäquate Arbeitszeiten für Mediziner in Österreich.

Die Reduktion auf 48 Stunden laut neuem Arbeitszeitgesetz bedeutet für Unikliniken im Vergleich zu anderen Spitälern … eine höhere Lebensqualität für klinisch tätige Ärzte bei gleichzeitig bedrohter Forschung und Lehre und Verlust an internationaler Wettbewerbsfähigkeit.

Das neue Arbeitszeitgesetz bedeutet für die medizinische Forschung … eine Bedrohung, sofern tatsächlich – wie derzeit vom Gesetzgeber vorgesehen – keine Ausnahmebestimmungen für Universitätskliniken erlassen werden und somit Lehre, Forschung und Klinik formal in 48 Stunden geleistet werden müssen.
Die Erhöhung der Forschungsprämie auf 12 % im Zuge der Steuerreform ist … ein spätes, relativ kleines, aber richtiges Signal.

Für die Erforschung von Alzheimer erwarte ich … kontinuierliche Fortschritte, aber leider (noch) keine Revolution.

Im Bereich der Entwicklung von Impfstoffen erwarte ich in den nächsten zehn Jahren …
Erfolge und weiter zunehmende internationale Vernetzung, um auf globale Bedrohungen wie zum Beispiel Ebola oder neue Influenza-Varianten rasch und global harmonisiert reagieren zu können. 

Medizinische Forschung in Österreich ist … eine stiefmütterlich behandelte, aber tragende Säule des Wirtschafts- und Wissenschaftsstandortes Österreich.

Ethik in der medizinischen Forschung ist … eine Grundvoraussetzung. Albert Einstein hat treffend formuliert: „Most people say that it is the intellect which makes a great scientist. They are wrong: it is character.“

Für die medizinische Forschung in Österreich würde ich mir wünschen, dass … sie gemäß der 2011 von der Bundesregierung verabschiedeten, aber nicht erfüllten österreichischen F&E Ziele
behandelt wird.

Meinen Ausgleich zu meinem Beruf finde ich … in Literatur, Kunst und Sport. Gott sei Dank brauche ich aber wenig „Ausgleich“, da mein Beruf gleichzeitig auch den Charakter eines intensiven Hobbys für mich hat.

Markus Müller

  • 1967 in Klagenfurt geboren
  • 1985 bis 1993 Studium der Human-medizin an der Universität Wien
  • 1993 Promotion „sub auspiciis praesidentis“ zum Doktor der gesamten Heilkunde.
  • 1993 bis 2000 erfolgte die Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin am AKH Wien,
  • 2002 der Facharzt für Klinische Pharmakologie.
  • Seit 2003 ist Müller Leiter der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie an der MedUni Wien;
  • 2004 Ernennung zum Universitätsprofessor für Pharmakogenomik;
  • 2005 Notarzt-Diplom.
  • Seit Oktober 2011 ist Müller Vizerektor für Forschung der MedUni Wien.
  • Er ist Mitglied in zahlreichen Kommissionen und Gesellschaften, u. a. im Bereich Arzneimittelzulassung, und sehr aktiv als Mitglied und Gutachter in der heimischen Forschungslandschaft mit mehr als 200 wissenschaftlichen Publikationen.