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Erste Hilfe für Bücher

Die Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB) ist eine der ältesten Bibliotheken Europas und gilt mit über acht Millionen Büchern und anderen Objekten als kulturelle Schatzkammer Österreichs. Teile der Sammlungen wurden von der UNESCO zum Weltdokumentenerbe erklärt.


Der barocke, von Johann Bernhard Fischer von Erlach unter Kaiser Karl VI. erbaute Prunksaal, die ehemalige kaiserliche Hofbibliothek, gilt als der schönste Bibliothekssaal der Welt.

Die Geschichte der Medizin und die der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) sind untrennbar miteinander verbunden: 1745 bestellte Kaiserin Maria
Theresia den niederländischen Mediziner Gerard van Swieten (1700-1772) zu ihrem Leibarzt und zugleich zum Präfekten der Hofbibliothek. Er ergänzte die Bestände, organisierte unter anderem die Erschließung neu, verbesserte die Benutzung, rettete durch geeignete Baumaßnahmen den baufällig gewordenen Prunksaal und fungierte als Vorsitzender der Zensurkommission. Der Bereich der Medizin nahm an der Hofbibliothek aus mehreren Gründen eine bevorzugte Stellung ein: Wien war das europäische Medizinzentrum des Habsburgerreiches, Sitz des Allgemeinen Krankenhauses und der Ersten und Zweiten Wiener Medizinischen Schule. So finden sich neben den Veröffentlichungen der nach Wien berufenen Gelehrten zahlreiche fachliche Publikationen, Dissertationen sowie einschlägige Prachtausgaben und Dedikationsexemplare an das Kaiserhaus.

Historische medizinische Literatur

Van Swieten, der gemeinsam mit Anton de Haen als Begründer der älteren Wiener Medizinischen Schule gilt, konzentrierte seine Ankäufe auf Ergänzungen im Bereich der wissenschaftlichen Literatur mit dem Schwerpunkt auf naturwissenschaftliche Publikationen. Der ausgezeichnete Bestand historischer medizinischer Literatur an der Österreichischen Nationalbibliothek dokumentiert van Swietens konsequente Bemühungen um eine Vermehrung des Bestandes an wissenschaftlichen Büchern. Eine weitere wertvolle Bereicherung vor allem an medizinischen, chirurgischen und physikalischen Werken erfuhr die Hofbibliothek durch den Ankauf der mehrere tausend Bände umfassenden Privatbibliothek van Swietens durch dessen Nachfolger Adam Franz Kollár im Jahre 1773.

Bestände erhalten

Eine zentrale Aufgabe der ÖNB ist es, dieses kulturelle Erbe zu bewahren, zu pflegen und Besuchern sowie internationaler wissenschaftlicher Forschungstätigkeit zugänglich zu machen. Um die vielen wertvollen Schätze auch für künftige Generationen zu erhalten, müssen besonders alte Objekte restauriert und konserviert werden, um dem natürlichen Alterungsprozess der wertvollen Stücke und der Belastung durch häufige Benutzung vorzeitig entgegenzuwirken. Das jahrhundertealte Wissen in den Büchern zu erhalten ist kostspielig. Daher wurde 1990 die Aktion Buchpatenschaft gegründet. Persönlichkeiten und Wirtschaftsunternehmen aus aller Welt, aber auch viele private Buchliebhaber haben bereits Patenschaften über Bücher, Karten, Globen, Zeichnungen, Musikhandschriften, Papyri, Plakate, Fotos und andere Objekte der ÖNB übernommen. So können stark beschädigte Bücher und andere Einzelobjekte, die dringend restauratorische Hilfe benötigen, versorgt werden. Aus Mitteln der Aktion Buchpatenschaft werden aber auch die Umlagerung wertvoller Bücher und Handschriften in säurefreie Schutzkartons und andere Maßnahmen zur Langzeitkonservierung finanziert.  

Fotos: Hejduk/ÖNB, Ferrigato/ÖNB

So geht’s

Ab einer Spende von Euro 500,– können Sie Buchpate der Österreichischen Nationalbibliothek werden. Sie entscheiden, ob es ein restaurierungsbedürftiges Objekt ist, ob Sie es nach Ihren persönlichen Interessen oder für einen speziellen Anlass auswählen. Sie erhalten eine Ehrenurkunde mit dem von Ihnen gewünschten Namen und dem Titel Ihres Patenschaftswerkes. Ein Exlibris mit dem gewählten Namen wird Ihrem Buch oder Objekt (Karte, Plakat, Musikhandschrift etc.) beigefügt. 

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