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Der Mix macht’s

Aktien oder Renten – womit fahren Anleger auf Dauer besser? Eine Frage, die pauschal nicht zu beantworten ist. Denn beide Anlageklassen haben Vor- und Nachteile. Sie sollten daher in keinem gut sortierten Depot fehlen. Investieren ab 50+


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„Zykliker sollten vom wirtschaftlichen Aufschwung und der Verbesserung der Marktstimmung profitieren.“ Wolfgang Matejka, Chief Investment Officer der Wiener Privatbank

„Vorsorgewohnungen werden auch von 50-Jährigen gekauft. Vielen ist der Steuereffekt egal.“ DI Sandra Bauernfeind, EHL Immobilien. Fotos: SCOPPETTA

„Für eine Immobilie ist man nie zu alt.“ Georg Aichelburg-Rumerskirch von der Wiener Privatbank

Jetzt war er da, der runde Geburtstag. Viele Freunde kamen zum Fünfziger, um zu gratulieren. Natürlich war die aktuelle Wirtschaftslage ein Hauptgesprächsthema. Wird Europa den starken Zuzug wirtschaftlich verkraften? Natürlich wurde über den VW-Skandal diskutiert. Am Montag rutschte die Aktie 18 Prozent ins Minus, am Tag darauf weitere 19 Prozent. Raus oder rein? Ja, es würde Sinn machen, gegen den Strom zu schwimmen und bei der VW-Aktie tüchtig zuzugreifen. Wäre da nicht das Risiko – was ist, wenn’s schief geht?
Der Vorteil der Aktie liegt auf der Hand: ihre langfristige Ertragsstärke. Bei Anleihen lässt sich schnell nichts verdienen. Sie verleihen Depots Stabilität, sofern sie nicht der Klasse der Junk Bonds zuzurechnen sind. Verluste, wenn das Papier bis zur Fälligkeit nicht verkauft wird, sind so gut wie ausgeschlossen. Den richtigen Mix zu finden, ist aber gar nicht so einfach. Für den passenden Aktien-Renten-Mix haben die Banken eine Faustformel parat: „Aktienquote = 100 minus Lebensalter“. Auf diese Weise bringt man sein Vermögen in trockene Tücher und kann, wenn es an der Börse nun doch einmal schiefgeht, Verluste besser verdauen. Doch wie bei allen Faustformeln ist auch bei dieser Vorsicht angesagt. Eine Anlagestrategie ist dann richtig ausgerichtet, wenn der Einkommensbedarf aus dem Vermögen langfristig sichergestellt ist, sich der Anleger mit den Kursschwankungen wohl fühlt und Anlagevermögen mit höherem Risiko nach starken Einbrüchen an den Börsen nicht verkauft werden muss.

Reduktion oder Aufstockung?

Befolgt man diese Regel, heißt das ab 50 sukzessive Reduktion. Doch ist das auch wirklich sinnvoll? „Warum sollte ich dass tun?“, fragt ein darauf angesprochener Zahnarzt, der vor allem auf Pharma – im Speziellen Novartis und Roche – setzt. „Ich habe diese beiden Titel seit Jahren im Depot. Der Kurs steigt, die Dividenden sind mehr als zufriedenstellend. Warum sollte ich diese Position gegen Anleihen tauschen? Das kommt ja einer Geldvernichtung gleich.“ Es gibt jedoch auch Berater, die ihren Klienten gerade das Gegenteil raten. Je älter man wird, desto risikoreicher könne man agieren. Die logisch erscheinende Vorgehensweise, nach der der Anteil hochriskanter Anlageformen wie etwa Aktien am Gesamtvermögen mit zunehmendem Alter sinken sollte, sei überholt.
Die US-Finanzprofessoren Wade Pfau und Michael Kitce sind hier ganz anderer Ansicht. In einer Simulation haben sie untersucht, welche Aktienquote für angehende Rentner in verschiedenen Kapitalmarktumfeldern über 20, 30 oder 40 Jahre optimal wäre, wenn man jedes Jahr vier oder fünf Prozent des anfänglich investierten Vermögens entnimmt. Das paradoxe Ergebnis: In der überwältigenden Mehrheit der Szenarien ist nicht eine zunächst hohe und dann sinkende Aktienquote ratsam, damit das Geld tatsächlich auch bis zu 40 Jahre reicht. Klüger hingegen wäre es, mit einem 20-Prozent- Anteil zu starten und diesen Anteil dann Jahr für Jahr zu steigern. Die Erklärung ist einfach: Für den in Aktien investierten Teil eines Vermögens, das die Alters­einkünfte sichern soll, besteht natürlich jederzeit die Gefahr eines Crashs, wie 2000 bis 2003 oder in der Subprime-Krise 2008/2009. Da kann es schon passieren, dass sich das Vermögen über Nacht halbiert. Trifft ein derartiger Crash ein Portfolio mit einem vergleichsweise hohen Aktienanteil, kann es sich kaum noch erholen – auch wenn die Aktienquote weiter reduziert wird. Umgekehrt gilt: Nach einigen guten Jahren fallen mögliche Einbrüche nicht mehr so sehr ins Gewicht, da das Portfolio bereits Zeit hatte, zu wachsen und zu gedeihen.
Das gilt auch für Fonds: Durchschnittskosteneffekt heißt hier das Zauberwort der Marketingstrategen. Wer monatlich einen bestimmten Betrag in einen Investmentfonds investiert, kauft bei tiefen Kursen viele Anteile und bei hohen Kursen nur wenige – und verhält sich entsprechend optimal antizyklisch. Doch wer jeden Monat einen fixen Betrag aus seinem Fonds entnimmt, verkauft auch umgekehrt bei niedrigen Kursen besonders viele Anteile und bei hohen Kursen besonders wenige. Das ist prozyklisch und alles andere als clever. Mit der von US-Forscher Pfau vorgeschlagenen Strategie der steigenden Aktienquote kontert man gewissermaßen diesem vermögenszehrenden Effekt.

Run auf Aktien

Wie sieht es im wirklichen Leben aus? In einem Marktumfeld, in dem Dividendenrenditen weiterhin deutlich höher als Anleiherenditen sind, sei der Run auf Aktien ungebremst. Daran ändern auch die nicht enden wollenden Diskussionen um den „Grexit“ oder der Reformstau in Europa nichts. Die aktuelle Investmentstrategie der Wiener Privatbank sieht daher eine Übergewichtung von Aktien sowie eine Untergewichtung von Staatsanleihen vor. Regional liege der Fokus auf dem europäischen Raum. Welche Sektoren für das zweite Halbjahr zu empfehlen sind, weiß Wolfgang Matejka, Chief Investment Officer der Wiener Privatbank: „Zykliker sollten vom wirtschaftlichen Aufschwung und der Verbesserung der Marktstimmung profitieren. Ein heißer Tipp sind auch Unternehmen, die von der ganzen Griechenland-Thematik nicht betroffen sind, an der Börse aber trotzdem abgestraft wurden. Last but not least mischen wir in unserer Asset Allocation Titel bei, die unabhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung attraktiv sind.“
Wer – egal ob 30, 40 oder 50 – generell das Risiko scheut, ist bei Wohnbauanleihen gut aufgehoben. Denn Wohnbauanleihen sind für sicherheitsbewusste Anleger aufgrund höherer Renditen höchst gewinnbringend und eine sinnvolle Ergänzung für jene, die nach alternativen, sozial orientierten Anlageformen Ausschau halten. Dass Wohnbauanleihen höhere Renditen als andere Anlageformen bringen, liegt vor allem am steuerlichen Vorteil. Für Privatanleger ist der jährliche Zinsertrag bis zu vier Prozent vom Nennbetrag der Wohnbauanleihe von der Kapitalertragsteuer (KESt) befreit. Dadurch ist die Rendite nach Steuern höher als bei gleich hoch verzinsten konventionellen Anleihen.
Die Ausgaben für Wohnbauanleihen können im Rahmen des Gewinnfreibetrags von der Steuer abgesetzt werden. Natür­liche Personen können bei der betrieb­lichen Gewinnermittlung für das Wirtschaftsjahr für die Anschaffung oder Herstellung von begünstigten Wirtschaftsgütern einen Gewinnfreibetrag von maximal 45.350 Euro pro Kalenderjahr gewinnmindernd absetzen. Ab 2014 gibt es aber Einschränkungen hinsichtlich der begünstigten Wirtschaftsgüter. Zu den begünstigten Wirtschaftsgütern zählen abnutzbares körperliches Anlagevermögen mit einer betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von mindestens vier Jahren (keine Pkw, keine gebrauchten Wirtschaftsgüter, keine geringwertigen Wirtschaftsgüter) und bestimmte Wertpapiere. Bei den Wert­papieren wurde die Gewinnfreibetrags­begünstigung auf die Anschaffung von Wohnbauanleihen eingeschränkt.
Soll daher über den investitionsunabhängigen Grundfreibetrag von 3.900 Euro (13 Prozent von 30.000 Euro) hinaus ein Freibetrag genutzt werden, so sind entsprechende abnutzbare körperliche Wirtschaftsgüter mit einer Nutzungsdauer von mindestens vier Jahren oder eben Wohnbauanleihen mit einer Mindest(rest)laufzeit von mindestens vier Jahren anzuschaffen.
Beträgt der Gewinn bis zu 175.000 Euro, kürzen Anschaffungen bis zu einem Betrag von 18.850 Euro (13 Prozent des Gewinnes vor Freibetrag) die Steuerbemessungsgrundlage. Für Gewinne zwischen 175.000 Euro und 350.000 Euro sind jeweils 7 Prozent des Gewinnes über 175.000 Euro abzugsfähig (für die nächsten 230.000 Euro nur 4,5 Prozent). Für Gewinne über 580.000 Euro gibt es keinen Gewinnfreibetrag.
Jährlich kann somit maximal ein Gewinnfreibetrag in Höhe von 45.350 Euro geltend gemacht werden.
Bei der Anschaffung von Wohnbauanleihen zur Verwendung als Gewinnfrei­betrag ist zu beachten, dass die Zinserträge für die vier Jahre der Betriebszugehörigkeitspflicht steuerpflichtig sind (25 Prozent KESt) und erst danach (bis zu einem Kupon von 4 Prozent) ab Umwidmung in das Privatvermögen steuerfrei lukriert werden können. Stufenzinsanleihen mit niedrigen Zinsen in den ersten Jahren und höheren Zinsen in Folgejahren sind daher in diesem Sinne günstiger.
Soll man mit 50 noch bei einer Vorsorge­wohnung oder einem Bauherrenmodell zuschlagen? Oder ist man da vielleicht schon zu alt? „Für eine Immobilie ist man nie zu alt“, bringt es Dr. Georg Aichelburg-Rumerskirch von der Wiener Privatbank auf den Punkt. „Fällt man allerdings mit den Rückzahlungen bereits in das Pensionsalter, sind die steuerlichen Effekte aufgrund der niedrigeren Pension dann auch geringer.“ Zu einer ganz ähnlichen Einschätzung kommt DI Sandra Bauernfeind, von EHL Immobilien. „Vorsorgewohnungen werden auch von 50-Jährigen gekauft. Vielen ist der Steuereffekt egal. Sie kaufen sogar mit 100 Prozent Eigenkapital.“ Das ist allerdings etwas, was die Immobilienexpertin überhaupt nicht verstanden hat. „Mit demselben finanziellen Aufwand hätte man sich locker zwei Wohnungen finanzieren können. Zwei mal 50 Prozent Anzahlung und die Kreditrückzahlung über die Mieteinnahmen“. mn

Investieren im richtigen Alter

20- bis 40-Jährige: In jungen Jahren hat man einen langen Anlagehorizont vor sich, der es ermöglicht, Ertragsrückschläge auszugleichen. Bei einem entsprechenden Anlegerprofil kann also durchaus in chancenreiche, risikoreiche Investments veranlagt werden.

40- bis 50-Jährige: In vielen Fällen ist in diesem Lebensabschnitt ein höheres Einkommen vorhanden und ein Grundstock an Vermögen bereits aufgebaut. Im Mittelpunkt sollten der Vermögenserhalt und kalkulierbare Erträge stehen. Das Investmentrisiko sollte auf verschiedene Anlagekategorien und Produkte gestreut werden.

50- bis 60-Jährige: Der Vermögenserhalt ist nun am wichtigsten. Gibt es hohe Reserven, können diese langfristig veranlagt werden.

Über 60-Jährige: Nun sollten ausschließlich der Vermögenserhalt und sichere Erträge im Interesse des Anlegers liegen. Das angesparte Kapital kann für die Altersvorsorge oder zur Überbrückung einer möglichen Einkommenslücke bis zum gesetzlichen Pensionsalter verwendet werden. Vielleicht will man aber auch etwas vererben.