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Das Leben spüren ...

„Nur wer neue Wege sucht, wird da ankommen, wo alle anderen noch nicht sind“ – das ist dem Lebens.Med Zentrum Bad Erlach gelungen, das einen wichtigen Schritt in der Versorgung von Krebspatienten für das ganze Bundesland Niederösterreich gesetzt hat.


Das Lebens.Med Zentrum Bad Erlach nahe Wiener Neustadt ist die erste onkologische Rehabilitationseinrichtung in Niederösterreich. Das Team des Lebens.Med Zentrums Bad Erlach – vom Arzt über die Pflegekraft und Therapeuten bis zum Gastronomie-Team – ist ausgezeichnet ausgebildet und kümmert sich engagiert um das Wohlbefinden und die Verbesserung der körperlichen, psychischen und sozialen Gesundheit der Patienten.

Leistungsfähigkeit fördern

Jedes Jahr erkranken rund 38.000 Österreicher an Krebs. Sowohl die Zunahme der Malignome im Rahmen der höheren Lebenserwartung als auch der erzielte Rückgang der Krebssterblichkeit führen zu einem kontinuierlichen Anstieg an Patienten, die eine Krebserkrankung durchgemacht haben. Durch verbesserte Früherkennung und wirksamere Behandlungen steigt die Fünf-Jahres-Überlebensrate aller Krebserkrankten in Österreich erfreulicherweise an. Lag diese im Jahr 1983 noch bei 40 %, so lag sie 2005 bereits bei 62 %, Tendenz steigend.
Die onkologische Rehabilitation kommt für Patienten infrage, die an tumor- oder therapiebedingten Schäden leiden, die durch eine Rehabilitationsbehandlung verbessert werden können. Mithilfe medizinischer und therapeutischer Maßnahmen sollen Betroffene leichter mit ihrer Krebserkrankung zurechtkommen. Das Hauptziel ist die Reduktion der Symptome, die durch die Tumorerkrankung und ihre Behandlung entstanden sind. Zudem wird Unterstützung im Umgang mit der Erkrankung und ihren Folgen geboten, aber auch die private und berufliche Leistungsfähigkeit werden wiederhergegestellt bzw. gefördert. „Mit der gezielten Krebsrehabilitation soll der Wiedereinstieg in den Alltag erleichtert, die Lebensqualität verbessert und die Diagnose- bzw. Behandlungsfolgen vermindert werden. Dieser Anspruch wird im Lebens.Med Zentrum in Zusammenarbeit mit den Kliniken, renommierten Krebsexperten und Wissenschaftlern verfolgt“, erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Alexander Gaiger, Leiter der Abteilung für Onkologische Rehabilitation und wissenschaftlicher Leiter des Lebens.Med Zentrums Bad Erlach.

Inhalte moderner Krebsrehabilitation

Jeder Betroffene reagiert in eigener Art und Weise auf die Herausforderung der Krebsbehandlung. „Deswegen passiert die Erstellung des Therapieprogrammes im Lebens.Med Zentrum Bad Erlach in Abstimmung auf die individuellen Bedürfnisse jedes Einzelnen. Ein multiprofessionelles Team setzt die Inhalte moderner Krebsrehabilitation um“, beschreibt Gaiger den Prozess. Das 3-Säulen-Behandlungsmodell basiert auf der Behandlung organischer Defekte, dem Überdenken und, wenn nötig, Korrigieren des Lebensstils und der psychischen Stabilisierung.
Das Therapieangebot umfasst Einzel- bzw. Gruppentherapien unter anderem aus folgenden Bereichen:

  • Heilgymnastik: Unter Anleitung eines Physiotherapeuten wird die geschwächte Muskulatur der Patienten gestärkt und die Beweglichkeit verbessert.
  • Ausdauertraining: Sport und Bewegung beeinflussen die Lebensqualität von Krebspatienten positiv und sind daher im Therapiekonzept von großer Bedeutung. So wird neben Heilgymnastik unter anderem auch Ausdauertraining am Ergometer oder in Form von Nordic Walking durchgeführt.
  • Ergotherapie: Durch eine aktive und passive Bewegungstherapie wird die feinmotorische Beweglichkeit, die durch aggressive Therapien gestört sein kann, trainiert. Ziel ist, die Patienten beim Wiedererlernen von alltäglichen Aktivitäten zu unterstützen, sodass sie wieder Vertrauen zu ihrem Körper fassen und die Krankheit besser bewältigen.
  • Klinische- und Gesundheitspsychologie: Psychologische Gespräche haben eine entlastende Funktion und helfen, den persönlichen Umgang mit der Krebserkrankung und der gegenwärtigen Lebenssituation zu finden.
  • Manuelle Lymphdrainage: Durch eine spezielle Massagetechnik werden unter sanftem Druck der Fingerkuppen Stauungen im lymphatischen System gelöst und der Abtransport der Lymphe wird angeregt.
  • Ernährungsberatung: Von einer Diätologin gibt es Empfehlungen und Anregungen für eine langfristige Ernährungsumstellung. Nebenwirkungen, die im Zuge des Therapieverlaufs auftreten, können eine besondere Aufmerksamkeit bezüglich Ernährung verlangen.               rh

Nachgefragt bei ...

... Prim. Univ.-Prof. Dr. Alexander Gaiger, Leiter der Abteilung für Onkologische Rehabilitation und wissenschaftlicher Leiter des Lebens.Med Zentrums Bad Erlach

Das Lebens.Med Zentrum Bad Erlach wurde erst vor wenigen Monaten eröffnet, wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen?
Durch den integrativen Ansatz, der sowohl die körperliche als auch soziale und seelische Komponente umfasst, können wir die Patienten trotz ihrer anstrengenden Therapie und den Folgen der Krebserkrankung sehr gut körperlich aktivieren. Dazu zählen Aspekte wie die Reduktion von Schmerz, von Stress oder Passivität. Die körperliche Leistungsfähigkeit verbessert sich deutlich und wir können damit eine gute Unterstützung für die Reintegration in den Alltag bieten.

Welche Patienten können nach Bad Erlach kommen?
Alle Patienten mit einer abgeschlossenen primären Tumorbehandlung, die also nicht mehr unter einer Chemotherapie oder Strahlentherapie stehen. Das betrifft Krebserkrankte, unabhängig ob es um eine Revision geht, sie von der Krebserkrankung geheilt sind oder ob es noch Krankheitsaktivitäten gibt. Vorteilhaft ist es, den Aufenthalt etwa vier bis fünf Wochen nach einer Operation oder nach der Chemotherapie einzuplanen, wenn die Nebenwirkungen schon abgeklungen sind. Es können aber auch Patienten zu uns kommen, bei denen die Behandlung schon länger zurückliegt. Voraussetzung ist, dass ein Minimum an körperlicher Aktivierung möglich ist. Wer gehen und sich selbstständig versorgen kann, ist jedenfalls geeignet.

Welche Rolle hat der Zuweiser?
Er kann die Patienten unterstützen, selbst aktiv zu werden. Das kann der behandelnde Arzt sein, aber auch ein Sozialarbeiter. Nachdem es sich um eine neuartige Leistung handelt, ist es sicher wichtig, dass Ärzte ihre Patienten darauf aufmerksam machen. Normalerweise sind die Zuweiser onkologisch tätige Ärzte wie Gynäkologen, Urologen, Chirurgen, aber auch Hausärzte oder Pflegeberatungen.

Welches Angebot macht Ihr Haus so besonders?
Der Aufenthalt dauert 22 Tage und umfasst eine Vielzahl von Einzelleistungen, wie den Aufbau von Muskelmasse, die Verbesserung der Koordination, klinische Psychologie oder die aktive und passive Bewegungstherapie sowie Ernährungsberatung. Auch Begleitpersonen sind herzlich willkommen. Bei der Ausstattung des Hauses wurden die speziellen Bedürfnisse der Zielgruppen besonders berücksichtigt. Sie entspricht den neuesten medizinischen und therapeutischen Standards. Ergänzend dazu wird für die Patienten ein Wohlfühlambiente geschaffen, sodass die optimalen Rahmenbedingungen für die Verbesserung der Gesundheit bestehen.

Gibt es bereits Evaluierungen, welche Erfolge durch onkologische Rehabilitation erzielt wurden?
Ja, es gibt international, aber auch aus dem deutschsprachigen Raum Studien, die eine hohe Wirksamkeit belegen. International wird gezeigt, dass ein körperliches, medizinisches Trainingsprogramm, wie wir es anbieten, auch einen Effekt auf das Tumorwachstum hat. So weisen erste Studien beispielsweise bei Patienten mit Brust- oder Dickdarmkrebs darauf hin, dass onkologische Rehabilitationsmaßnahmen nicht  nur die Lebensqualität verbessern, sondern auch das tumorfreie Gesamtüberleben.

www.lebensmed-baderlach.at