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Bissige Finanz

Der österreichische Schuldenberg wächst weiter und der Fiskus ist verzweifelt auf der Suche nach neuen Einnahmequellen. Jetzt wird härter und mehr geprüft. Dabei rücken besonders Ärzte in den Fokus der Finanz. Mit der Finanzstrafgesetz-Novelle wird zudem die Selbstanzeige noch schwieriger.


MMag. Alexander Lang,
 Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei
 Deloitte Österreich

Mag. Iris Kraft-Kinz, Geschäftsführerin, Steuerberatungskanzlei Medplan

Die Verschuldung der Republik Österreich beträgt aktuell über 250 Milliarden Euro. Jede Sekunde wächst dieser Schuldenberg um mehrere Millionen Euro. Der Staat ist verzweifelt auf der Suche nach neuen Einnahmequellen, doch die Abgabenlast in Österreich liegt mit 48,9 Prozent deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 35,6 Prozent und damit sind neue Steuern unmöglich, ohne den Zorn der Steuerzahler auf sich zu ziehen. Was bleibt, sind stärkere Kontrollen und noch mehr Härte bei der Durchsetzung der bestehenden Steuern und Abgaben. Ab 2015 werden 550 zusätzliche Finanzbeamte Jagd auf Steuersünder machen. Im Oktober tritt zudem die neue Finanzstrafgesetz-Novelle 2014 in Kraft und diese bringt zahlreiche Änderungen. MMag. Alexander Lang, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei Deloitte Österreich: „Besonders Ärzte stehen im Fokus der Finanz. Diese besitzen im Vergleich zum durchschnittlichen Österreicher ein überdurchschnittlich gutes Einkommen und hier ist aus Sicht des Fiskus einiges zu holen.“ Wer also ein schlechtes Gewissen hat oder sich nicht sicher ist, ob er sein Geld auf Auslandskonten wirklich richtig versteuert hat, sollte sehr schnell ein offenes Gespräch mit seinem Steuerberater führen.
Mag. Iris Kraft-Kinz, Geschäftsführerin der auf Ärzte spezialisierten Steuerberatungskanzlei Medplan: „Die wichtigste Änderung der Finanzstrafgesetz-Novelle 2014 sind massive Verschärfungungen bei Selbstanzeigen, die bisher unter bestimmten Voraussetzungen Straffreiheit ermöglichten.“ War es bisher noch möglich, eine strafbefreiende Selbstanzeige zu erstatten, sobald eine Betriebsprüfung angekündigt wurde, so sind diese Zeiten nun vorbei. Ab Oktober 2014 werden je nach Höhe der Abgabenverkürzung ab Ankündigung einer Betriebsprüfung kräftige Zuschläge fällig. Wer Beträge bis 33.000 Euro am Fiskus vorbeigeschummelt hat, zahlt bei einer Selbstanzeige nun einen Zuschlag von fünf Prozent. Zwischen 33.000 und 100.000 Euro werden 15, zwischen 100.000 und 250.000 Euro 20 und über 250.000 Euro sogar 30 Prozent Strafzuschlag fällig. Entscheidend ist, dass man vorsätzlich oder grob fahrlässig gehandelt hat. Nicht bestraft wird Fahrlässigkeit, wie zum Beispiel ein Buchungsfehler. „Doch auf leichte Fahrlässigkeit zu setzen, ist riskant, denn das zu beurteilen obliegt den Gerichten und das kann zu Überraschungen führen“, so Deloitte-Experte Lang. Doch anders als in Deutschland landen österreichische Steuersünder, die sich selbst anzeigen, nicht wie der Bayern-München-Manager Uli Hoeneß hinter schwedischen Gardinen. Durch die Eigenanklage erspart man sich ein Finanzstrafverfahren mit möglichen Haftstrafen von bis zu zehn Jahren. „Mit der Finanzstrafgesetz-Novelle 2014 kommt eine weitere Verschärfung hinzu. Wer sich bereits einmal selbst angezeigt hat, kann wegen der gleichen Abgabe nicht eine weitere Selbstanzeige einbringen“, so Steuerexpertin Kraft-Kinz. Bisher gab es die Möglichkeit, mit einem Zuschlag von 25 Prozent ein Finanzstrafverfahren nach mehrmaliger Selbstanzeige zu vermeiden.

Selbstanzeige, aber richtig

Nachdem es nun deutlich kritischer wird, sollte man bei einer Selbstanzeige dringend professionelle Unterstützung beiziehen. Medplan-Geschäftsführerin Kraft-Kinz: „Der Unterschied zwischen straffreier Fahrlässigkeit und Vorsatz wird jetzt größer. Die Beratung bei der Selbstanzeige und deren gute Ausarbeitung sind wichtiger den je, denn das ist strafbestimmend. Ich rate allen meinen Klienten zu einer kompromisslosen Offenlegung und zu maximaler Transparenz.“ Damit eine Selbstanzeige auch strafbefreiend wirkt, müssen zudem einige Formalitäten beachtet werden (siehe Kasten) und das ist je nach Zahl der Konten und Kontobewegungen oft eine mühsame Kleinarbeit. „Je nach Komplexität kann eine gut aufbereitete Selbstanzeige sogar mehrere Wochen in Anspruch nehmen und das sollten Klienten einkalkulieren, damit es im Fall der Fälle nicht zu spät ist“, so Deloitte-Experte Lang.

Strafe für den, der nicht bezahlen kann

Wer sich zu einer Selbstanzeige entschließt, sollte sehr genau nachrechnen, ob er sich diese überhaupt leisten kann. Grund: Eine strafaufhebende Wirkung hat eine Selbstanzeige nur dann, wenn die offenen Zahlungen innerhalb eines Monats auch beglichen werden. Die Frist beginnt bei selbst zu berechnenden Abgaben mit der Selbstanzeige, in allen übrigen Fällen mit der Bekanntgabe des geschuldeten Betrages an den Steuerpflichtigen. „Diese Frist kann vom Fiskus, sofern eine Zahlungserleichterung gewährt wird, auf höchstens zwei Jahre verlängert werden“, so Steuerexperte Lang. Nachdem das Netz der Finanz auch in den umliegenden Ländern immer enger wird und Steuerparadiese immer seltener, empfehlen die Experten unisono, reinen Tisch zu machen. Und war Steuerhinterziehung früher eher ein Kavaliersdelikt, so hat sich das grundlegend geändert. Steuerexpertin Kraft-Kinz: „In den letzten Jahren ist ein deutlicher Trend zu mehr Strenge und einer sehr exakten Auslegung der Gesetze und Judikatur zu verzeichnen.“                                                      ss

6 Tipps für die Selbstanzeige

  • Die steuerlichen Verfehlungen müssen detailliert und in historischer Abfolge dargelegt werden.
  • Die Unterlagen müssen so aufbereitet sein, dass der Finanzbeamte auf Basis der Selbstanzeige in der Lage ist, die geschuldete Steuer ohne weitere Ermittlungsarbeiten festzusetzen.
  • Die Selbstanzeige muss gegenüber der zuständigen Behörde erfolgen.
  • In der Selbstanzeige müssen Mittäter (z. B. Angehörige) genannt werden. Es empfiehlt sich, die Betroffenen unmittelbar vorher zu informieren!
  • Die Zahlung der geschuldeten Abgaben muss innerhalb eines Monats erfolgen.
  • Die Selbstanzeige muss rechtzeitig erstattet werden, bevor die Finanz Verfolgungshandlungen gesetzt hat oder die Tat entdeckt und dem Täter dies bekannt war.