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Behandlung der Gicht in der medizinischen Rehabilitation

Die Arthritis urica gewinnt als häufigste entzündliche Gelenkserkrankung in der westlichen Welt mit einer Prävalenz von 2 bis 4 % auch in der Rehabilitation zunehmend an Bedeutung.


Foto: fotolia

AUTOR: Dr. Elke Böttcher
Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie
Team der Orthopädischen Rehabilitation Humanomed Zentrum Althofen
Co-Autor: Prim. Dr. Henry Puff
Ärztlicher Leiter der orthopädischen Rehabilitation im Humanomed Zentrum Althofen
Leiter der Kur im Humanomed Zentrum
Althofen, www.humanomed.at

qDie steigende Prävalenz ist bedingt durch die wachsende Zahl an Komorbiditäten, die eine Hyperurikämie fördern. Besonders hervorzuheben sind hier arterielle Hypertonie, Adipositas, Diabetes mellitus Typ 2, metabolisches Syndrom sowie chronisch renale Insuffizienz.

Krankheitsbild und Therapie
Bei Erhöhung der Harnsäurekonzentration über die physikalische Löslichkeitsgrenze können Mononatriumuratkristalle ausfallen und zu einer akuten Entzündungsreaktion im Gelenk führen. Typisch ist ein hochakuter Beginn, äußerste Schmerzhaftigkeit, Rötung und Überwärmung. Häufig betroffen sind Gelenke der unteren Extremität wie Großzehengrundgelenk, Sprunggelenk oder Knie. Im Verlauf der Erkrankung können jedoch sämtliche Gelenke oder gelenksnahen Strukturen betroffen sein.
Um eine rasche Symptomlinderung herbeizuführen, wird der umgehende Einsatz von nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) bzw. Coxiben, eventuell Glukokortikoiden sowie Colchizin empfohlen.
Als Indikation zur langfristigen Senkung der Harnsäure zählt das Auftreten von mehr als zwei Gichtattacken pro Jahr, Tophusbildung, CKD Stadium II sowie Nephrolithiasis in der Anamnese.
Das Urikostatikum Allopurinol unterbindet den Abbau von Purinen zu Harnsäure durch Hemmung des Enzyms Xanthinoxidase und sollte aufgrund seines Nebenwirkungspotenzials einschleichend dosiert werden. Hautreaktionen, gastrointestinale Störungen sowie Medikamenteninteraktionen sind zu beachten. Febuxostat, ein selektiver nicht-purinanaloger Xanthinoxidasehemmer, kommt für Patienten infrage, die Allopurinol nicht vertragen oder den angestrebten Zielwert von < 6 mg/dl HS nicht erreichen. Das Nebenwirkungsprofil ist vorteilhaft, hervorzuheben ist der mögliche Einsatz bei Niereninsuffizienz. Im Vergleich zu Allopurinol erwies sich Febuxostat in mehreren Studien signifikant überlegen, Harnsäurezielwerte von < 6 mg/dl zu erreichen.

Rehabilitation bei
Patienten mit Gicht
Aufgrund der höheren Lebenserwartung und der häufig vorkommenden Komorbiditäten wie Hypertonie, Diabetes mellitus Typ 2 und Adipositas kommt der Gichtpatient zunehmend in Rehabilitationseinrichtungen mit Schwerpunkt Stoffwechsel-und Herzkreislauferkrankungen zur Aufnahme.
Ziel der Rehabilitation von Gichtpatienten ist es, einerseits die bessere Funktion betroffener Gelenke zu erreichen, andererseits nicht-medikamentöse Therapiemöglichkeiten zu etablieren und für jeden einzelnen Patienten ein individuell adaptiertes Behandlungskonzept zu erarbeiten. Neben der medikamentösen Therapie gewinnt die Umsetzung von Ernährungs- und Lebensstilempfehlungen zunehmend an Bedeutung. Gerade während einer Rehabilitation ist es daher von essenzieller Bedeutung, die Patienten von einer konsequenten Lebensstilmodifikation zu überzeugen.
Als besonders wichtig wird regelmäßige körperliche Bewegung erachtet, wobei zumindest zwei- bis dreimal pro Woche Einheiten von je 30 Minuten absolviert werden sollten. Falls notwendig, ist eine langsame Gewichtsreduktion anzustreben.
In der Rehabilitation wird mittels multimodalen Therapiekonzeptes eine Stoffwechseloptimierung angestrebt. Inhalte der Lebensstil- und Ernährungsempfehlungen werden im Rahmen von Schulungen, Vorträgen und Workshops vermittelt. Die engmaschige ärztliche Betreuung und Unterstützung durch Diätologen, Physiotherapeuten und Sportwissenschaftler ergänzt die optimale Betreuung von Patienten mit Hyperurikämie oder Gicht.